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zoon politikon vs. homo socialis

Freitag, 4. September 2009

liebe frau kühnast,

ich mochte sie ja schon immer sehr gern. am meisten, weil sie so gar nicht wie eine politikerin wirken.
jetzt sehe ich sie gerade bein einer äußerst aufschlußreichen sendung, in der menschen mit geistiger behinderung unsere spitzenpolitiker fragen: "warum sollen wir sie eigentlich wählen?"
junge, junge, da läßt der ein oder andere minister tief blicken. nicht in die augen der interviewer, die als gruppe mit dem unpersönlichen "man" angeredet werden, benutzt werden, um die üblichen polemiken abzulassen:
-behinderte sind nicht automatisch arm, herr gysi! und unterstützung hat zumindest hier nicht zwangsläufig immer etwas mit geld zu tun!
- guido, du arsch, die frage, ob man gesetze in einfacherer sprache formulieren könne, beschäftigt nicht nur behinderte! und ich weiß auch nicht, ob du in deiner polit-spralligkeit gearde überhört hast, daß sich die bitte um eine einfache sprache auch auf das interview mit dir bezogen hat!
- steini, nur weil du rüberkommst wie ein voll okayer eigentlich sozialarbeiter-typ, der nur aus zwang und mit unwillen den armani-anzug trägt, heißt das nicht, daß du auch voll okay im sozialarbeiter-deutsch mit den leuten da reden mußt!
- angela, die frage nach der möglichkeit eines praktikums bei dir und deinen parteifuzzis zielte auf u.a. die nicht nur vorgebetete gleichberechtigung behinderter ab. das sollte nicht heßen, daß die das da jetzt machen wollen. ist aber trotzdem nett, daß du ganz auf die gleichbereichtigung aller anderen eingegangen bist und nix zu gesagt hast, weil sich ja nachher die anderen ungerecht behandelt fühlen würden. hach, is schon schwer, wenn mans allen recht machen soll...
- renate, 100 punkte. unter umgehung sämtlicher genmaishürden und in benutzung 100% regenerativer energien hast du es als einzige geschafft, den interviewern ins auge zu sehen, sie direkt anzureden und konkret in angemessener, nicht übertriebener sprache zu antworten. man, man, dafür daß sie schon so lange in der politik sind, haben sie´s noch gut drauf mit der volksnähe!

Mittwoch, 10. September 2008

...

images3 ich sag gar nichts dazu! images4

Freitag, 18. April 2008

frau lesof macht politik

liebe untertanen,

als regierungschefin hat man es nicht leicht. irgendwer schaut einem immer auf die brüste auf die finger. zum beispiel heute. während mein regierungsdoubel angela m. beim olympiakader in neubrandenburg weilte und in vertretung meiner selbst bei einer frühlingsrolle erneut eindeutig feststellte, daß ein boykott der olympiade in china nicht ganz so geil ist, fuhr die wahre frau m. nach paris. nach den peinlichen oben-fast-ohne-fotos aus der norwegischen oper hatte ich beschlossen,meiner medienvertretung ein neues kleid zu kaufen.hochgeschlossen, versteht sich. denn wenn eines nicht geht, dann sind das alte faltige milchbeutel. auch und gerade weil deutschand seit knapp drei jahren brüste hat.muß ja keiner wissen, das lenkt nur von der tagespolitik ab. zum beispiel vom treffen der schwellen- und industrieländer mit dem höchsten co2-ausstoß weltweit.ZUFÄLLIG waren die auch gerade in paris. dummerweise hatte ich am vortag mit carla sarkozy wegen ihrer prozente bei chanel telefoniert und so ließ es sich nicht umgehen, daß ihr beschäler mich zu einer tasse eis-tee einlud. witzigerweise traf ich dort auch auf den umweltminister der usa. ich wußte bis dato gar nicht,daß die einen haben. wahrscheinlich war der auch gar nicht echt.man munkelt ja, daß der dschorsch frei schnauze leute abstellen kann für solche sachen. lobbyisten nennt man so was wohl. der lobbyist jedenfalls, dessen arsch auf der hand von dschorsch steckte, bewegte sein kaspermündchen und schwor klimaverbesserung ab 2025. mit kippte im vollklimatisierten elysee-palast fast der tee aus dem plastebecher, aber was will man machen? hatte ich angela m. nicht schon in sachen china eingeschärft,daß das mittel des dialoges die große rote schleife ums diplomatiepäckchen ist? ich wollte mir also nicht selbst widersprechen und schrieb monsieur s. einen zettel auf 100% chlorfreigebleichtem papier: "nick mal dazu" kritzelte ich "sonst stehen wir morgen auf der axe-of-evil-liste und sag dann, daß ein versprechen allemal mehr zählt,als gar keine aussage!" tat er dann auch. dummerweise hob ihn mein einfall gleich zwei zentimeter mehr aus den schuhen und so konnte man den eindruck gewinnen, herr s. wäre ein großer politiker, der das diplomatiepäckchen nicht nur bloß mit einer roten schleife verzierte, sondern auch gleich noch einen gordischen knoten drum band. der will erstmal durchgehauen werden in 13 jahren,wenn eine der töchter bushs zum nächsten klimatreffen auf die insel amsterdam fährt! schließlich hält ein politiker immer sein versprechen. besonders dann,wenn es via stichtag fixiert wurde.
zwischendurch klingelte mein handy. seitdem müntefering nicht mehr mein handtaschenträger und damit telefonsklave ist und mich so von den mir so ungeliebten spd-lieblingskindern wie rentenerhöhung und einkommenssteuerreform fernhalten kann, bin ich gezwungen, selbst rede und antwort zu stehen. jedenfalls rief mich also der ole aus hamburg an und weinte. er hatte angst vor frau kühnast. ich beruhigte ihn. "ole" sagte ich "nu mach mal was, was du sonst nie tust:kneif die arschbacken zusammen. die frau kühnast ist keine kampflesbe,auch wenn sie kurze haare trägt und ganz früher mal ein sponti war. ihr wart zuerst da. sieh mal die grünen so als praktikanten ohne meinungshoheit und mach dir keine sorgen um die zukunft. schließlich docken die an eure linie an und es ist da noch ganz fraglich, welche sachen bei euch zusammen passen und welche nicht. letztlich gehts ja nur um hamburg und nicht um ganz deutschland." ole war beruhigt und versprach, sein bestes dafür zu tun,daß schwarz-grün zukünftig keine option für bundesweites koalitionsgehabe werden wird. mich umtrieb aber eine ganz andere sache.hotte köhler scheißt sich nicht wegen einer evtl. zweiten amtszeit aus. ich habe so langsam das gefühl, er macht das von meiner zweiten amtszeit abhängig. denn, so sagt mir mein imageberater immer, umso dominater der, die, das kanzler, desto grauer der präsident. muß man sich nur die geschichte angucken. mein väterlicher freund und vorgänger helmut verschließ drei bundespräsidenten und nur weizäcker hatte kraft seines auftretens die fähigkeit, zumindest partiell wahrgenommen zu werden. und eigentlich auch nur deshalb,weil er so ganz anders war als sein saumagen fressender untergebener. wer erinnert sich heute noch an karl carstens? doch nur die,die in den frühen 80ern den ollen carstens beim singen im tv erleben mußten. und roman herzog? interessiert eigentlich auch nur die verschwörungstheoretiker unter uns, die annehmen,herzog sei ein zu dünn geratener ausseh-clown klon von roland koch.
anscheinend ist das amt des bundespräsidenten für menschen reserviert, die nicht in erscheinung treten wollen. da der bundespräsident aber das staatsoberhaupt ist,muß ja jemand dieses leck füllen. helmut hat da vorgelegt und ich als seine lieblingsstute schicke mich an, diese aufgabe zu erfüllen. und nur aus dem grund zeigt mein regierungsdoubel brüste! um nämlich vom köhler abzulenken, damit der in ruhe weiter repräsentieren kann, statt politik zu machen. allerdings:meine doublette hat ja nun schon vorgelegt und ich habe ein klein wenig bedenken,wie wir noch mehr in erscheinung treten müssen,damit der geist köhler sich so unangestrengt fühlt, eine zweite amtszeit anzustreben. ich muß mal carla sarkozy fragen.
all dies ging mir so durch den kopf, als ich paris dem unwilligen grüppchen der klima-angeklagten zuhörte. ich bewilligte endgültig noch schnell einen scheck für die welthungerhilfe, weil ich mir dachte, daß meinem schlechten gewissen damit genug schuldigkeit getan wäre. das bißchen mehr an klimaverirrungen bis 2025 kann man ruhig mit freßlieferungen in die zunehmenden drittwelt-dürregebiet unseres planeten ausgleichen. fair trade im sinne der großen politik und so.
als ich eben nach hause kam, war angela schon da.wir wohnen zusammen. falls mal jemand anruft. dschorsch oder so. angela hatte chinesich gekocht. es gab die "sieben köstlichkeiten": opportunismus, rentenerhöhung, erbschaftssteuer, hartz IV,arbeitslosenzahlen, geringverdiener und tarfilöhne. zum nachtisch hatte sie dann noch eine wunderbare komposition aus landesbanken und finanzkrise gebacken.
ich war schon nach dem ersten gang satt.

Donnerstag, 8. November 2007

ich wollt nur noch mal dran erinnern

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aus gegebenem anlaß: DANKE!!! auch für die möglichkeit, meine sozialistische persönlichkeit endlich entfalten zu dürfen. dank des genusses vieler bananen metamorphierte ich zu meinem wahren aussehen:

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es grüßt lesof

Freitag, 28. September 2007

liebe frau pauli,

die frau amazonin hat ihnen ja schon geschrieben und sich ein wenig gewundert über ihren revolutionären vormarsch, der bestimmt so gar nichts mit medienhurerei und der anstehenden ede-s.-nachfolge zu tun hatte.
wissen sie,liebe frau pauli, ich bin ja ein ganz großer fan von frauen, die in irgendeine kerbe der geschlechtsantagonistischen gesellschafts-und parteienwelt reinhauen, um alle an ihrer selbstfindung teilhaben zu lassen. ich weiß, ich weiß, in der bayrischen provinz sorgen sie mit ihren attitüden für ein aufsehen, daß sonst nur anderweitig minderbemittelten zu teil wird. und man darf auch nicht vergessen, daß man als landrätin ja quasi nur den teil des fußvolkes darstellt, der im gegensatz zum rest ab und an mal in den regionlazeitungen namentlich erwähnt wird. das allein gereicht allerdings nicht dazu, unüberlegten quark von sich zu geben, von dem man annimmt, es gefiele dem wähler.
das ding mit der "ehe auf probe" ist ihnen bestimmt nur so rausgerutscht, als beckmann sie vielleicht mal einladen und wissen wollte, ob sie auch politisch so fluffig sind, wie die netten fotos es für die private frau pauli erahnen lassen mögen. ganz im ernst, liebe frau pauli, wenn ich ihr mann wär, dann hätte ich ihnen DANACH auch ne ehe auf probe vorgeschlagen. sei´s drum, zumindest für diejenigen, die ihre beziehungprobleme gern im talkshowformat mit lügendetektor und vaterschaftstest klären lassen, ist eine "ehe auf probe" unbedingt anzuraten.
heute jedoch, da waren sie ganz groß,liebe frau pauli. da haben sie doch auf dem jährlichen weißwurstwettfressen reichsparteitag parteitag vorgeschlagen, daß alle, die ein kind haben, auch mit familie angeredet werden sollen. ich wurde vor freude darüber vorübergehend harninkontinent. endlich darf und soll ich mich als das bezeichnen, was mir bisher in ermangelung eines comics auf dem klo lesenden, faulen sacks, der den zweitnamen "vater" führt, von der gesellschaft versagt wurde. endlich,endlich schluß mit der leidigen kastenzugehörigkeit zur sog. "einelternfamilie". recht haben sie! da ich väterliche wie mütterliche qualitäten zwangsläufig vereinen muß, darf ich mit diesen schizoiden umständen endlich mit der adelung "familie" ins nirwana des gesellschaftlichen anerkennens eintreten. ein glück - wenigstens das ist gewuppt und ich brauche mir nicht länger vorwürfe machen, daß mein kind nicht in einer sog. "kernfamilie" aufwächst und deshalb ganz bestimmt irgend wann mal so beziehungsgeschädigt ist, daß es besser eine "ehe auf probe" führen sollte.
wenn jetzt zu diesem beinharten realitätsorgasmus ihrerseits noch kommen würde, daß ich steuerlich als "familie" veranschlagt würde, keinen aufschlag für "alleinurlaubend mit kind" zahlen müßte und die gleichen chancen auf dem arbeitsmarkt eingeräumt bekäme etc., dann, ja dann, liebe frau pauli, laß ich erwin huber erwin huber sein und wähle sie in den bundestag. mein wunsch für sie wäre die nachfolge meiner lieblingsfeindin -freundin uschi v.d.leyen. die uschi checkt bis 2017 die fehlenden 50.000 krippenplätze und ich darf dann als ernährendes teil einer "familie" ganz ohne schlechtes gewissen einen krippenplatz beanspruchen. denn schließlich bin ich jetzt ja vater und mutter und da fällt die wenige zeit mit dem kind nach der arbeit gleich gar nicht mehr so ins gewicht, weil sie sich ja quasi personell verdoppelt.
insofern kann ich mir überhaupt nicht erklären,warum ihr vorschlag auf so wenig gegenliebe stieß und sie sich damit i.ü. die wahnsinnig hochstehenden chancen,in einer urbayrischen partei die jefe zu werden, versaubeutelt haben.
schade, denn jetzt versinken sie wieder im regionalpolitischen spezitum, statt mit weiteren innovativen (klamotten-)vorschlägen seite drei der "bunten" zu bedienen. so isses halt, mit den klugen köpfen. ´s braucht die richtige zeit und den richtigen ort. wenn sie,liebe frau pauli, NICHT der csu angehören würden, dann, so glaube ich, wären ihre vorschläge durchaus für eine größere menge menschen überdenkenswert. so sind sie nichts als unüberlegte querschießerei innerhalb eines erzkonservativen vereiens, der in bälde von einem erwin huber auf linie getrimmt werden wird. "erwin huber", liebe frau pauli, sagt alles darüber aus, was in dieser partei möglich, besser noch, unmöglich sein wird. und zwar entweder solange, bis sie als klimakterines, zahnbehaartes politisch-ideelles versatzstück mit dem vorwurf sozialliberaler attitüden gechast werden oder zum weiblichen guido westerwelle mutieren. für erstes gilt: es wäre schade ihrer mühen um ein ankommen der csu im jahr 2007. für letzteres gilt: politik macht man nicht von der hinterbank aus und schon gar nicht darüber, indem man permanent das gegenteil dessen erzählt, was gängiger common sense ist. traurig aber wahr und estut mir leid, ihnen das als mensch ohne ämter stecken zu müssen: demokratie basiert auf dem mehrheitsrecht und mehrheitlich gesehen sind sie zur falschen zeit am falschen ort. mein durchaus ernstgmeinter ratschlag an sie daher: wechseln sie ungehendst ihr parteibuch oder halten sie die klappe. sie machen sich lächerlich!

mfg "familie" lesof

Mittwoch, 28. März 2007

Deutschland sucht den Super-P.C.ler

Ich mag Deutschland. Wirklich! Blühende Landschaften wohin man schaut und alles ist so schön geordnet. Kulturell können wir uns auch wieder sehen lassen, seitdem unser ehemaliger Bundeskanzler eine durchaus erquickliche Symbiose aus Kunstinteresse und Berlinästhetisierung an die Spree und sich selbst lüpperisiert in den Bundestag stellte. Und Angela Merkel? Die wird mittlerweile sogar von des deutsch-solventen Lieblingsdesigners und bekennendem Potsdamer, Wolfgang Joop, wegen ihres Outfits in den Himmel über Berlin gelobt. Halten wir also fest: Wir sind Kultur, wir sind schick, Deutschland hat Brüste und das ist auch gut so.
Deutschland hat den Trend zur Randgruppe entdeckt. Wer hätte schließlich noch vor zehn Jahren seine Sozialhilfe darauf verwettet, daß wir jemals eine ostzonale Dragqueen als auch noch unverheirateten Kanzlerich in die Welt schicken oder gar einem Schwulen das Ruder einer Großstadt anvertrauen. Dummerweise bringt das Anerkennen des Könnens ehemals belächelter Bevölkerungsrandgruppen aber auch den Drang zur allumfassenden Political Correctness mit sich. Soziale Brennpunkte heißen nun nicht mehr „Ghetto“, sondern „städtische Randbezirke mit deutlichem Migrationshintergrund“, Schwule und Lesben sind „andere Lebensentwürfe Verfolgende“ und wenn man trotzdem an die sprachlichen Grenzen Toleranistans gerät, gereicht die Bezeichnung „Prekariat“ zu einer neuen, erfrischenden Debatte über die bestmöglichste Art sich auszudrücken, ohne jemanden dabei vor den Kopf zu stoßen. Zumindest darin sind wir mittlerweile Weltmeister.
Toleranz ist eine feine Sache, wenn sie nicht mit Ignoranz verwechselt wird.
Um dem im Sommer nach Deutschland strömenden Fan-Volk zu demonstrieren, daß wir alle und jeden total lieb haben, der uns kurzzeitig in unseren schönen Landen besucht, MUSSTEN wir folgerichtig mit einem weltweit nicht zu überhörenden Gazetten-Aufschrei die Existenz von NO-GO-Areas abstreiten. Wir doch nicht! Die Mehrheit des deutschen Volkes usw.
Die Minderheit des deutschen Volkes – die, die Deutscher nicht sein können, glaubt man ihren „White-Power“-Shirts - jedoch lachte sich in die Achsel des ausgestreckten rechten Armes und wusste: Zivilcourage ist des Deutschen Sache nicht. Wusste auch: „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei“.
Und so war es denn auch. Wir haben weltmeisterlich abgekackt. Nicht nur im Fußball, sondern auch dabei, diesem Gesindel ohne dem WM-bedingten auf-die-Bratwurstfinger-Schauen ehemaliger, alliierter „Befreier“ die Stirn zu bieten.
So sitzt man also im ÖVN der frisch akkreditierten Wissenschaftstussi und Platz 3 inne habenden Aufschwungsstadt Jena und denkt sich nichts Böses. Man ist ja hier so herrlich verschont vom „Gesindel“, zumindest wenn man seinen linken Gesinnungstextilien zugunsten überteuerter Fashion-Victim-Devotionalien entwachsen ist. Dachte ich. Bis ich in den Bus einstieg und dort zwei schrankartig gebaute, kurzbehaarte Menschen fand, die ihre Umgebung mit einem Best-Of-Nazi-Mucke beschallten und sich ganz einhellig darüber austauschten, welche „Vorteile“ das 3. Reich für den ein oder anderen Anders-Seienden bereit hielt. NATÜRLICH war der Teil politisch-korrekter Studenten im Bus ganz empört darüber. So empört, daß es ihnen glatt die Sprache verschlug. Und überhaupt sollte man sich ja eigentlich nicht einmischen, nachher bekommt man statt des ebenfalls im Bus sitzenden Afrikaners noch selbst eins auf seine stirngerunzelte, Abschätzigkeit zumindest demonstrierende Visage.
Der Afrikaner hatte es gut. Der verstand GAR NICHTS. Ich indes schon. Und weil es mir ziemlich auf die Nerven ging, deren Plattitüden und Dummheiten hören zu müssen, bat ich sie in einem freundlichen Ton, doch bitte die Musik leiser zu machen und mich mit ihren Theorien zu verschonen. Es entspann sich ein wirklich fruchtreiches Gespräch über mein Aussehen, etwaige sexuelle Vorlieben türkischen Männern gegenüber, über Plastiktüten zur Mundknebelung und mich als weibliches personifiziertes Geschlechtsteil: Man ist ja immer daran interessiert, was andere von einem halten! Mir wurde ganz nett auch eine nähere Bekanntschaft mit einem aus dem Rucksack blitzenden stockartigem Ding angeboten. Ich musste ablehnen. Ich hatte leider andere Pläne für die Nachmittagsgestaltung.
Nun könnte man annehmen, daß sich spätestens an dieser Stelle irgend jemand im Bus ritterlich in die mich desavouierende Situation einmischte, doch weit gefehlt. Wahrscheinlich suchten sie einen Rest an Zivilcourage in einem inneren Exil und schauten deshalb so meditierend auf den Boden. Vielleicht schrieben sie auch in Gedanken einen höchst korrekten Blogeintrag vor oder überlegten sich, wie erzählenswert diese Geschichte denn später bei den bis zum Erbrechen politisch-empörten Freunden sei. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß ich mich beim Aussteigen in Gedanken für die Unterstützung meiner Mitmenschen bedankte.
Opfer gewesen sein – in dem Fall glücklicherweise nur auf verbaler Ebene – ist ein beschissenes Gefühl. Und möglicherweise sollte man sich mal, statt sich bloß über „rechts“ zu echauffieren, vergegenwärtigen, wie es ist, wenn man einfach nur noch Angst hat. Vielleicht ist dies das Quentchen, was am Eintreten für Andere fehlt: daß man sich nicht in die Lage anderer versetzen kann oder will. Daß man sich selbst vorn anstellt, statt aus reiner Sensibilität und Respekt vor den Empfinungen seines Gegenübers diesem das Gefühl, Opfer zu sein, ersparen möchte.
Halten wir also fest: Wir sind oberflächlich, wir sind ignorant, Deutschland hat ein zwischenmenschliches Problem und das ist schlecht so!

Sonntag, 25. März 2007

willkommen im leben,

frau mohnhaupt. wir lesen uns...bei einem "aufschlußreichen" interview des spiegels/ciceros/kursbuch whatever. mal sehen, was die bildzeitung morgen titelt...


edit (27.3.): "deutschlands schlimmste terroristin frei" war der header der blödzeitung.ich habe daraufhin sofort mit bloßen händen einen bunker gegraben und einen großeinkauf gestartet. falls noch jemand interesse an einem kleinen ,dafür raf-neo-terrorismus-fernen urlaub in einem stahlbetonhäuschen mit ohne aussicht six feet under hat, einfach melden. bitte ne dose corned beef mitbringen und ein bildzeitungsabo...

Freitag, 2. März 2007

...


lieber christian klar,

laaangsam solltest dus doch begriffen haben: du darfst keine politische meinung mehr haben!! seit 24 jahren schon nicht mehr. bitte, bitte, unterlasse doch zukünftige grußbotschaften an terroristische/kommunistische/antifaschistische und sonstige - istische dinge außerhalb des gesllschaftlich-politischen bildzeitungs-common-sense. da geht nach hinten los.echt! ich mein,ein brief an die ideologischen ahnen luxenburgs , puh, chrischi, wat haste dich da bloß jedacht? ach so, du wolltest nur mal feststellen, daß du im herzen immer noch grundsätzlich was gegen den kapitalismus hast..mhm, tja,weißte chris,alte hütte, das haben so einige hier. manche davon haben ziemlich kurze haare und sagen komische sachen. aber weißte, die sitzen nich im knast, die dürfen ihre meinung frei äußern. das ist ihr verbrieftes grundrecht. du, ja,wie soll ich das jetzt sagen: du bist ein terrorist. du wolltest die freiheitlich-demokratische grundordnung zerstören und sitzt jetzt dafür ein. verschissen,alter. du hast keine grundrechte mehr, auch und gerade nich, wenn du verfrüht zurück ins system willst. der deutsche is da nachtragend- echt! also bitte,lieber christian, damit wir uns je kennenlernen können: beiß dir bitte nächsthin auf die zunge. dann giltst du als "geheilt" und holle köhler drückt vielleicht n auge zu.

ps: für den uninformierten leser: herr klar schickt bereits seit jahren zum todestag luxenburgs und liebknechts an die entsprechenden stellen grußbotschaften. wie nett, daß ihm das jetzt auf die füße fallen soll!

Donnerstag, 3. August 2006

fidel, der sturm in der bacardi-flasche und das leben nach der revolution

nun ist es also amtlich: der welt lustigster diktator nach kim il sung verabschiedet sich in den verdienten ruhestand.
ich bin traurig, bemerke ich doch eine zunehmende personelle und damit auch ideologieverbreitende verflachung der weltpolitik. erst wurde mir mit dem tod meines lieblingstischdeckenträgers yassir arafat die grundlage für meine politischen ambitionen genommen, danach beschloß die sinn fenn fürdahin nur noch irische butter herstellen und schafswollpullover stricken zu wollen, statt auf lustige protestantenjagd zu gehen und zuguterletzt knabbere ich immer noch am tod meines erklärten lieblingspapstes nach mr. moralin franz josef wagner.
gerade zu fidel verband mich ja eine gaaaanz enge beziehung. meine sprallerten eltern nämlich hatten mir - der damals frischgeborenen - ein bildchen castros und guevaras zur frühkindlichen indoktrinierung über mein gitterbettchen gehängt. wahrscheinlich beabsichtigten sie, mir über die bilder dieser beiden jesuesken freiheitskämpfer vor augen zu führen, daß es mit dem richtigen willen durchaus möglich ist, die ketten der fron abzustreifen - im dem fall die der gitterbettstäbe. klappte auch ganz gut, wie die narbe über meinem linken auge heute noch beweist.
später -als ich mein eigenes zimmer hatte und meine mutter mir aus bis heute nicht erklärbaren gründen eine raffaelische madonna übers bett pinnte - übernahm die schule eine weiterführung, ja internalisierung, weltrevolutionären, sozialistischen gedankengutes in form kindgerechter prosaierung des lebens des "commandante en jefe" fidel. ich sah mich daher schon im zarten alter von zehn jahren in der lage, fachgerecht über revisionismus, maoismus, den sozialimperialismus der sowjetunion und überhaupt der richtigen auslegung der klassiker unter besonderer berücksichtigung der kritik der politischen ökonomie diskutieren zu können - auch und gerade vor dem hintergrund der us-amerikanischen aggressionen gegen cuba.
leider verpaßte ich das alter, in welchem ich in der schule am fach "staatsbürgerkunde" teilnehmen durfte wegen der repatriierung der ostzone um ein jahr. und auch meine eltern verloren nun mit der möglichkeit, ihre biermann-platten und trotzkis gesammelte werke sichtbar ins wohnzimmerschränkchen zu stellen, den drive, sich und v.a. mir eine politisch-didaktische grundausbildung weiterhin gewähren zu wollen.
sie fanden es auch nicht mehr verwerflich, sich bacardi-rum zu kaufen und selbigen auch noch mit coca-cola zu mischen. liebe leute, es war ein einschneidendes erlebnis, flohen doch die urväter des bacardi-konzerns absichtlich vor fidel aus dem sonnigen cuba in richtung miami, gaben sie doch enorme mengen an dollar aus, um fidels idee eines sozialökonomisch funktionierenden sozialismus zu unterminieren. wie stolz wies sich dagegen der letzte verbleibende bacardi-sprößling in cuba aus, der die ihm zustehenden und auch angebotenen tantiemen für seinen namen ablehnte, um seinem jefe nicht in den rücken zu fallen. das nenn ich überzeugung!
überzeugt ist und blieb auch dame ednas ostzonale schwippschwägerin margot honecker. sah man sie doch letztens bei einer fünfstündigen rede fidels in havanna begeistert beifall klatschen. ich nehme zudem an, sie hatte einen braingefuckten orgasmus. während sich grebes dörte also zu andreas baader selbst bespaßt, scheint es für unsere ehemalige erziehungsministerin (der wir übrigens das lesen von fidels vita und den umständen des batista-sturzes genauso zu verdanken haben wie das basteln von solidaritätswandzeitungen für mozambique. die beste bekam eine erwähnung auf dem mittwöchlichen fahnenappell und eine urkunde von der patenbrigade...) uns fidel zu sein. nun ja, warum auch nicht, schwingt bei ihm doch eine aura von verwegenheit und tollkühnheit mit. diese brüche in seinem leben... vom sohn des großgrundbesitzers zum streikorganisator in der familieneigenen firma, vom jesuitenkollegschüler zum mitplanenden des putsches gegen den diktator der dom.rep., vom dr. jur. zum staatschef ex legis. und das alles gepaart mit sozialistisch fair-gerollten zigarren. donnerwetter...
sätze wie: x: "brauchen sie eine kugelsichere weste?", fidel: "ich brauche so etwas nicht, ich trage eine panzerweste aus moral! " zeugen doch schließlich von einem berauschenden charisma, oder nicht? wen wunderts da noch, daß auch unsere brüder und schwestern hinter dem antifaschistischen schutzwall so gerne dem sexiesten berufsrevolutionär nach jesus christus mittels vielfach zu verwendender demo-plakate ihren tribut zollten.ich bin der überzeugung, daß, wenn fidels name nur ein bißchen melodiöser gewesen wäre, die gegen die institutionen anrennenden studenten statt "ho-ho-chi-min" zu skandieren, seinen benutzt hätten. da verwett ich alle meine mao-bibeln drauf!
nun ja, aus die maus: fidel geht jetzt in rente. ich frage mich nur, was er, der schon in den sechzigern der meinung war, daß revolutionäre nie in den ruhestand gehen, nun mit seiner freien zeit anfängt.
vielleicht fährt er erstmal in die usa - incognito versteht sich - und besucht eisenhowers grab. der hatte ihn schließlich nach dem sturz batistas nicht empfangen wollen (gerüchteweise war er wohl golf spielen) und schickte seinen vize nixon vor. da kniet sich dann der fidel hin, auf den patriotischen boden von arlington, und zeigt dem ike den stinkefinger: "ätsch, du sack, jetzt kannste nicht mehr abhauen. warte mal, ich guck noch schnell bei johnson und kennedy vorbei und vergleiche, wer die größere grabplatte hat. der mittelmäßige bandit (johnson) oder der intelligente (kennedy)..."
natürlich fährt der fidel auch nach disney-world, um sich dort ideen für den in cuba geplanten sozialistischen spaß- und themenpark zu holen. "willkommen in fidel-land. links hinter dem eingang finden sie eine orginalgetreue nachbildung des bolivianischen dschungels und der klitsche, in der che aufgebahrt wurde. dort auch der brief, in dem il commandante aleida guevara den tod ihres vaters mitteilt.achten sie bitte auf die revolutionäre inbrunst, mit welcher der brief geschrieben wurde. ist doch che schließlich für die revolution gestorben. eigenen aussagen zufolge, tröstet aleida dieser satz bis heute, vor allem, wenn sie in ihrem amerikanischen exil junge menschen in t-shirts mit dem konterfei ihres vaters sieht. rechter hand haben sie die möglichkeit, die invasion in der schweinebucht nachspielen zu können. wir haben keine kosten und mühen gescheut,politische gefangene dazu zu zwingen, sich als amerikaner zu verkleiden und zur verfügung zu stellen. bitte fühlen sie sich nicht genötigt, auf das humankapital rücksicht zu nehmen und leben sie sich aus. es sind doch schließlich volksverräter in feindlichen uniformen. das gehört zu deren resozialisierungsprogramm... "
vielleicht bewirbt sich fidel aber auch für die derzeit im deutschen fernsehen laufende show, in der alte männer eine familie suchen, in der sie die opa-rolle übernehmen wollen. kann ich mir ganz lustig vorstellen - so ein fidel als opa. "du, opa fidel, der sören aus der 3 a hat mich wieder verkloppt." "nun, mein junge, da geb ich dir mal dieses buch hier, es stammt von meinem alten kameraden che und heißt "strategie und taktik des guerillakampfes"...
mir persönlich bliebe noch zu raten, endlich diesen grünen anzug auszuziehen. auf die dauer kommt das nicht sooo gut im entmilitarisierten deutschen fernsehen. auch so wegen eventueller ständiger vorhaltungen wegen des lebens vorher. der deutsche will ja schnell vergessen und lieber fidel, mit dem satz "la historia me absolverá " (die geschichte wird mich freisprechen) kommst du hier maximal in die nächste wahlversammlung der npd rein. die würden sich, zugegeben, freuen. während nämlich deine schriften und portraits in den kellern der 68er vergammeln, adoptiert dich gerade die rechte. und das nur, weil du ein problem mit bacardi und coca-cola hast - ums jetzt mal vereinfacht auszudrücken...
ich für meinen teil werde zukünftig meine revolutionären restenergien im bei-rot-über-ampel-laufen und nicht-gez-gebühren-zahlen ausleben.

in diesem sinne: vive la muerte-vive la revolution!

Dienstag, 18. April 2006

rare fundstücke

eben ausgegraben und tatsächlich so gewesen:

Sch: hallo, hier ist schmidt.
h: guten abend herr schmidt, hier ist honecker.
sch: ich freue mich, daß ich sie noch erwische. ich dachte, sie würden möglicherweise morgen früh auf reisen gehen.
h: nein, nein. morgen früh bin ich in berlin. ich habe also vorhin gehört, daß sie den wunsch haben...
sch: es ist schlecht zu verstehen, könne sie mal an ihrem mikrofon wackeln.
H. ich meine, es paßt ausgezeichnet jetzt.
sch: bitte?
h: ich meine, es paßt ausgezeichnet jetzt.
sch: es paßt sehr gut. ich sage, ich kann sie schlecht verstehen. könne sie mal an ihrem mikrofon wackeln?
h: mal sehen. geht es jetzt?
sch: etwas besser. darf ich mal loslegen?
h: ja bitte ..., herr schmidt?
sch: ja
h: zuerst möchte ich ihnen mal vergewissern, daß selbstverständlich zu keiner zeit es mir unangenehm war, wenn sie hier anriefen. sollten sie irgendwann mal diesen eindruck bekommen haben, so ist das nicht zutreffend.
sch: nein, der eindruck ist nicht entstanden.
h: bloß damit sie es verstehen. also zu keinem augenblick war mir das unangenehm.
sch: nein, herr honecker, der eindruck ist nicht entstanden, ich hatte nur mal gesagt, ich bin immer derjenige, der anruft, sie könnten auch mal anrufen.
h: ja ja, natürlich. beim letzten mal wollte ich ja anrufen, da kamen sie mir zuvor.

irgendwie kommt mir so ein dialog bekannt vor...

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Brabvo Bravo! Das nenne ich konsequent. Und was...
DonParrot - 12. Okt, 17:40

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