ich: (hoechst-)persoenlich

Sonntag, 10. Februar 2008

düsseldorf:

kö-freakshow, sozialneid, sich unsicher fühlen da so zwischen komischen leuten, medienhafen-kunst und kultur mit bötchen-anleger, wieso haben wir kein boot,ach so, das liebe geld, essen:lecker, grün: kaum vorhanden, gibts da spielplätze?, klein-istanbul: ist der reißverschluß meiner handtasche zu?, rhein- mit sonne und drachen, alt? nein kölsch!, rheinländisch: was ist ein flöz? bloodworscht! wieso heißt das "halve hahn",wenn da gar kein halber hahn dabei ist?, wie viel bier sind zwei kölsch?, kiez da? ein bißchen. wo sind wir jetzt? waren wir schon hier? hier sind wir doch mit der straßenbahn vorbei gefahren?! nein?
quarkkuchen essen, der hier käsekuchen heißt. in der sonne
und wissen, daß die stadt um so vieles häßlicher wäre, wenn da nicht jemand wär, der einen mitnimmt und sagt:"schau mal hier". neues entdecken an einer sicheren hand.aufwachen 500km von zu hause und sich daheim fühlen. ein bißchen gewohntes.geruch, der arm, der nach dem aufwachen nach mir sucht,kaffee, das bad teilen.küsse,die egal wo auf der welt genau so schmecken,wie sie sollen:nach vertrautheit

Freitag, 30. November 2007

...

´s baby kommt gleich! juhu!
schnell noch die beine rasieren. die frischbezogenen bettsachen aus der mitte auf meine angestammte seite räumen - soll ja nicht so aussehen, als ob ich es genießen würde, mich in meinem bett breit zu machen, wenn er nicht da ist. gammelhaushose nach hinten in den schrank verbannen. schaff ich noch augenbrauenzupfen? nee, aber es geht noch... is ja auch dunkel. die paar härchen fallen heute nicht mehr auf und dürfen morgen sterben.
ich hab vorhin was mit knoblauch gegessen. zähne putzen? nee, lieber noch n glas rotwein eingießen. zähneputzen würde ja auch den geschmack vom ersten glas töten. boah - pärchenbequemlichkeit. scheiß drauf, der steht ja jetzt auch nicht im zugklo und putzt sich die zähne oder zupft sich die augenbrauen.
eincremen noch mal. herr lesof ist rasierpflichtig und die 12-stunden-stoppel kratzen immer so schlimm, machen das gesicht so rot. so rot würd ich ja noch nicht mal werden, wenn ich alle aufgestauten triebe verbalisieren müßte.
durchlüften- weintrinken bedingt immer kippen. ansonsten rauch ich ja nicht mehr - eben nur, wenn ich trink, dann aber umso mehr. also: hütte auf. verdammt, is das kalt...
unterwäschecheck:wieso muß ich jetzt an frottee-schlüpfer denken? ach ja, weil es so kalt ist...
babyfon zu den nachbarn bringen, damit die plage beaufsichtigt ist, wenn ich zum überraschungsangriff auf dem bahnhof schreite... was zieh ich denn überhaupt an?
winter ist unsexy!
also:los geht´s. fernbeziehungswochenende!

Dienstag, 20. November 2007

...

herr lesof fehlt -schmerzlich...und hat komische attitüden entwickelt.neuerdings ist er firm in sachen business-englisch und das obwohl er anglizismen eigentlich immer abgelehnt hat. herr lesof rennt 12 stunden am tag imanzug rum - plus wollmantel! herr lesof hat ein geschäftshandy.
herr lesof goes business und frau lesof hofft nicht zu sehr.
wir hatten ein wunderbares wochenende. mit viel sex, viel knutschen, viel normalem auch, mit einem bißchen kultur da.
leider nur viel zu kurz. ich wollte nicht weinen, mußte aber. komisch, wie einem so manche menschen ans herz wachsen können. ich fühl mich abgehackt...

Dienstag, 6. November 2007

...

herrn lesof eben zum ersten mal nach düsseldorf entlassen. das wetter paßte zur stimmung:trüb, depressiv und verregnet.
auf bahnhöfen heulen ist komisch...
fühlt sich alles nicht so gut an. das schlafzimmer ist voll gestellt mit seinen sachen, aber das bett ist leer.

Montag, 5. November 2007

...

gestern war ich in meinem ersten nichtraucherlokal. eingedenk der tatsache, daß es ein restaurant war, fand ich die idee dahinter gar nicht mal so unübel und ansonsten: hats mich auch nicht gestört, zum rauchen rauszugehen...muß ich jetzt mal so sagen....

Freitag, 26. Oktober 2007

...

kann mir vielleicht irgendwer mal erklären, wieso zu langes antibabypillen-gefresse irgenwann zwangsläufig zu prämenstruellen störungen,migräne, stimmungschwankungen und dem wunsch nach einer vasektomie unter androhung von sexentzug führt?
kann mir vielleicht irgendjemand mal erklären, wieso die testphase für die männer-pille letztens wegen zu großer nebenwirkungen (man munkelt von stimmungschwankungen und gewichtszunahme) eingestellt wurde und die beutel nächsthin wieder erlaubte armadas produzieren dürfen und unsereins in vermeidung von säuchlingen wieder 21 tage jeden monat chemie fressen darf? kann mir vielleicht irgendjmd. mal erklären,wieso gummis so unsexuell sind und ne hormonfreie spirale 400 tacken kostet?
kann mir vielleicht irgendjmd mal erklären, wieso frauen die plagen kriegen müssen und wenn sie die nicht wollen, chemisch determiniert durch die kante rennen müssen?
mann müßte man sein ...

Samstag, 20. Oktober 2007

meine fresse,

hätte ich gewußt, wie viel arbeit es macht, ein semester über dinge zu reden, die mich interessieren, dann hätte ich dem kollegenvorschlag zu einem seminar über meine diss. wohl nicht zugestimmt. ich dachte nämlich, ich kann mir die ganze vorarbeitsscheiße wie quellen und texte raussuchen sparen, da ich ja alles irgendwie schon habe und es nur noch studentenfreundlich zusammenschustern muß.
dummerweise habe ich nicht mit dem letzten rest an studentenfreundlichkeit und geringsemesterzuneigung in mir gerechnet, denn plötzlich sah alles, was ich in x-ordnern archiviere, viel zu wissenschaftlich aus. viel zu wissenschaftlich für die entpolitisierte posse modularisierter und brav verwaltungsgebühren und/oder studiengebühren zahlender studenten im jahr 2007.
wie dem auch immer sei,ich hatte/habe arg zu tun und das erklärt auch meine gummizellenabwesenheit und das unvermögen,meine gedankenwelt polemisch an den (un-)interessierten dritten zu tragen. allerdings bemerke ich an dieser stelle auch, daß wochenlange textarbeit meine vom leben determinierte schnodderschnauze ebenso zum erlahmen bringt. wenn das textprogramm hier zusätzlich noch fußnoten erlauben würde,dann könnte ich dem geneigten lesen dazu auch mehrere wissenschaftliche literaturen vermerken...
montag beginnt das neue semester und ich werde zumindest im verlauf der nächsten woche hoffentlich zeitlich in der lage sein,mich wie jedes halbe jahr über meine erklärten lieblingsfeindefreunde zu amüsieren - den erstsemestern im allgemeinen wie auch besonderen. falls nicht,bin ich im unisystem angekommen und es wird zeit,mir ernstlich zu überlegen,allen meinen studenten aus purer lust am pädagogischen meine lesof-adresse zu überlassen.es geht ja nichts über eine enge dozenten-studenten-beziehung.
privat gibt es auch einige neuerungen,deren auswirkungen ich im moment vor lauter streß gar nicht so recht blicken kann.
herr lesof wird ab anfang november jena aus beruflichen gründen verlassen und dick in die wirtschaft einsteigen.
nachdem die erste probe in sachen "fernbeziehung" im august schon für reichlich emotionalen wirbel gesorgt hat, habe ich mich für den zweiten, indes geglückten versuch seinerseits, diese stadt verlassen zu wollen, etwas in die pragmatik geflüchtet.
es läßt sich nun mal nicht ändern,also warum nicht das beste draus machen? einiges kommentiertes eurerseits hat mir sehr zu denken gegeben und mir verdeutlicht, daß es meine ängste sind, die dem ganzen so unvorstellbare dimensionen gegeben hat. mittlerweile, und ich bin froh, daß ich das sagen kann, bin ich aber auch enorm gespannt darauf, wie wir uns in zukunft entwickeln werden. es ist eine herausforderung und ich freu mich sogar ein bißchen drauf, weil ich irgendwie weiß, daß dieser weggang die grundsätzlich gute qualität unserer beziehung noch verstärken kann. ich hab so ein bißchen das gefühl, daß es uns noch näher zusammenrücken läßt. wir haben ein langes gespräch darüber geführt, eines von denen, die man im bett, im urprivaten führt und eben deshalb war dieses gespräch auch fern von "zwischen tür und angel". tabula rasa, wenn man so will.
rausgekommen dabei ist, daß wir die gleichen vorstellungen und wünsche bzgl. der veränderten situation haben. und wie so oft hat er eine den satz angefangen und der andere ihn beenden können. das tat gut, hat mir sicherheit gegeben und ihm auch. anderntags hab ich mir ne bahncard gekauft und fand alles - so unterm strich - gar nicht mehr so schlimm.
tabula rasa meinte aber auch,klar zu sagen, daß ich auch in absehbarer zeit nicht nachziehen werde. in dem fall hat das vordergründig mit seiner neuen stadt zu tun.selbige liegt nah am ruhrpott und hat eine weltweit berühmte,teure einkaufsstraße. er als köln/bonner-speckgürtel gebürtige wird dort zum "alt"-trinken gezwungen werden und zum inhärenten geillfinden der ansässigen fußballmannschaft(man betrachte es bitte immer noch von der seite eines köln/bonners!). ich möchte ja niemandem aus dieser stadt auf die füße treten, aber, liebe freunde, lesof würde mit ihrem hang zur sozialstudie in dieser stadt so derart überreizt werden, daß sie vor lauter kompensation mit sicherheit ein bis drei rotzgören mit schlimmen doppelnamen in die welt setzt und zusieht, daß sie mit der auch in dieser stadt wohnenden verona pooth in die gleiche krabbelgruppe kommt. allein schon deswegen,weil es immer NOCH schlimmer kommen kann!
nee, da hat sie keine lust drauf. jede andere stadt in deutschland mit ausnahme von vielleicht duisburg oder hagen hätte sie zur eventuellen abkehr vom jena-feeling gebracht. jede! und das obwohl besagte stadt eine renommierte kunstakademie hat. ein argument seitens herrn lesofs, der damit ein kulturelles flair reklamieren wollte. ich sach ma: immendorff ist tot,heine auch und der umstand, daß herr lesofs büro gegenüber einem von junkies dominierten park liegt, bestärken meine lokalen abneigungen gegen diese stadt zusätzlich...
mensch, was ich wieder schwafeln kann...große klasse,lesof, ehrlich mal! falls also irgend jemand irgendwelche pro-argumente für diese stadt vorzubringen vermag: bitte schön - brechen sie eine lanze für DÜSSELDORF!!!!!!!!!
genug des lamentierens,schließlich verlangt niemand von mir, daß ich dahin ziehe. noch nicht mal ich von mir!und wenn ich mir meinen bekannten- und feundeskreis so anschau, dann fällt mir auf, daß eigentlich alle daraus irgendwie mal für längere oder kürzere zeit fernbezogen waren oder noch sind. nehmen wir zum beispiel meine bestfreundin j.. die lebt zwar mittlerweile seit drei jahren mit ihrer bessern hälfte zusammen, dem voraus geht aber die gleiche zeit fernbeziehung zwischen sigmaringen und einer stadt im südharz (das waren so ca.600 km) - und das auch mit kind und mit nur zweiwöchentlichem sehen.der umstand war, wie gesagt,nicht von dauer und aus einem kind wurden drei. womit ich ganz galant die neuankunft meines dritten nicht-eigenen-lieblingskindes mika verkünden darf.
wie gesagt, fernbeziehungsbeispiele gibt es zu hauf und ich bin mir sicher, daß jeder leser hier auch ein beispiel hätte, so er/sie nicht selbst betroffen ist. es scheint also gang und gäbe zu sein und bei allen individuellen wünschen nach spießigkeit und familie "the times are a-changing".
interessant für mich,weil vorher selten dagewesen (ein hoch dem femininen egozentrismus), war aber auch die aus tiefsten herzen kommende anerkenntnis, daß er diese neue perspektive wirklich will und braucht. das studienende ist immer eine zäsur. zum einen, weil man etwas beginn wird/will was NICHTS mit dem studentischen rumasseln zu tun hat. man geht diesen schritt ja mehr oder weniger bewußt. wenn man die schule verläßt und zur uni geht,weiß man, daß das halbwegs sorgenfreie (heißt absolut selbst -ständige leben) noch ein bißchen dauern wird. eigenverantwortlichkeiten beziehen sich dann höchstens aufs pünktliche miete zahlen und jobben, um sich nicht ständig bei den eltern um kohle prostituieren zu müssen. wenn das studium zu ende ist, siehts anders aus. ich bin gespannt,wie er das meistern wird. insofern,als daß ich natürlich schon wesentlich länger als er im u.a. berufsleben bin und es sicherlich schon die ein oder andere situation gegeben hat, in denen wir mehr als nur verschienden voneinander agiert und argumentiert haben. ich bin gespannt darauf, mit welchem löffel er die suppe "leben" löffeln wird. und ich bin mir dabei ganz sicher, daß sich hinter dem zukünftigen anzugträger und wirtschaftstypen immer noch das verknitterte morgens-startschwierigkeiten-habende, kaffeesüchtige,weltbeste sofa-fußballtrainer, perfekte tomatensoßekochende, diskutierfreudige, sozial immer empörte und interessierte,mit mir in der wohnung salsa-tanzende, ein bißchen hypochondrische, zeitungssammelnde, für jeden spaß zu habende langhaarige monster verbergen wird. weil er anders in d. sein wird und eigentlich hier IST- bei uns.

Samstag, 18. August 2007

...

alle kommentare gelsen und mich sehr gefreut über eure anteilnahme.
das vorstellungsgespräch lief wohl ganz gut, mitte der woche bekommt er bescheid. bis dahin kletten wir aneinander wie zwei ertrinkende und haben das kind bei den großeltern abgestellt. könnte ja auf absehbare zeit das letzte mal sein, daß wir eine woche am stück haben.
wie dem auch immer sei: ich möchte zu einem späteren zeitpunkt ein zwei dinge zu euren kommentaren sagen. jetzt, hier und heute bis mitte der woche bin ich out of order - netztechnisch und emotional


lesof, die sich gestern mit herrn lesof ne flasche davon gegönnt hat
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Donnerstag, 16. August 2007

fernbeziehung?

kann mir eigentlich irgendjemand mal erklären, wieso ich haargenau dann, wenns mir privat mal geht wie der made im speck IMMER die kompliaktionskarte ziehen muß?
kann ich nicht einfach mal glücklich alt und buckelig werden ohne daß irgendwas dazwischen kommt?
hat der gute mal eben schnell 300 tacken fürn anzug rausgedonnert, damit er am freitag beim bewerbungsgespräch auch schick aussieht. wird er definitiv. ganz heidelberg wird sich freuen über einen eventuellen neuzuwachs in so zwei wochen schon...
ich freu mich gar nicht. ich bin - keine ahnung was - traurig, mutlos, bockig, hoffnungsfrei. von allem etwas und von allem zu viel.
ich hab lange warten müssen, bis ich so einen menschen kennen lernen durfte. viel zu lange. ich bin 28 jahre und lerne jetzt erst das kennen, was andere vielleicht schon mehrfach hatten: ne normale beziehung mit einem normalen menschen. einem, der auch noch die verantwortung für ein kind, das nicht seins ist, tragen will - von sich aus und nicht, weil das kind eben nun mal da ist.
daß es früher oder später auf eine fernbeziehung hinausläuft, war ja klar. aber wie schwierig wird das werden? und bin ich am ende mal wieder diejenige, die dann in die röhre guckt? verlassen wird wegen jemandem oder irgendwas?
halten wir, hält die beziehung stand? was ist wenn nicht? und gravierender: was ist wenn?
auf die dauer allein hier in j. und mit ner beziehung in irgendwo - das will ich nicht, kann ich nicht. so stelle ich mir eine beziehung nicht vor.
entscheidungen müssen her:
variante 1) traineestuff in evtl heidelberg (6 monate) tragen und versuchen, das beste draus zu machen. risikofaktoren: machen wir beide gleich viel ums am laufen zu halten? jetzt sagen wir ja, aber wie sieht das in drei vier monaten aus? abhaken von derzeitiger umgangsintensität, weil 400 km dazwischen und viel arbeit seinerseits dann dort. heißt: bedürfnisse zurückstellen.
aber was ist, wenns krachen geht? dann hab ich meine bedürfnisse zugunsten seiner karriere hinten angestellt für nix.
variante 2) nicht nachdenken. abwarten, annehmen was kommt. traineestuff wirkt sich nicht bis wenig auf uns aus. herr lesof geht dann nach münchen in die festanstellung. ich weiterhin allein hier? no way. da gehen wir wirklich krachen auf die dauer. mitziehen? kind hat den vater hier zum beispiel. und was ist, wenns dann in münchen kaputt geht? alles aufgegeben hier (inkl job) und dann allein da? wenns geht noch ohne job?
variante 3) trennung aus vernunftgründen, wie es so schön heißt. oder anders: lesof hat angst vor variante eins und will die halbwegs schmerzfrei im vorfeld umgehen. die chancen, noch mal jemanden, der genau so ist, kennen und lieben zu lernen stehen aber schlecht.
variante 4) schiß vor variante eins umgehen und zum zusammenzug nötigen- dann isser auf jeden fall am we bei uns patchworkern. vorteil: sicherheitsbedürfnis meinerseits oberflächlich gestillt. nachteil: ich kann nicht jemanden zu etwas überreden, was der evtl. nicht will. außerdem muß ich ja auch ans kind denken. die hat den dann irgendwann angepapat. und wenns kaputt geht, dann leidet sie dann auch. als ich ihr heute erzählt hab, daß herr lesof evtl. bald seltener hier ist, weil er weit weg arbeiten muß, hat sie geweint und gesagt, daß er doch ihr bester freund ist und daß wir dann ein foto machen müssen, damit wir ihn uns immer anschauen können, wenn wir sehnsucht haben. das ist doch zum heulen!

WIESO IMMER ICH? is doch irgendwann mal gut mit den schlechten dingen. ich war doch angekommen....

Donnerstag, 12. Juli 2007

Ja zum Ja

Kürzlich musste ich bemerken, daß Ja-Sagen nicht mehr in ist. In Zeiten des Social Networking, dieser Krake der Freundesfreundesfreundschaften kann man sich zwar über wohldosiertes Speichellecken anbiedern wie eine rollige Katze dem räudigen Straßenkater, hat aber immer noch die Möglichkeit, sich alles andere als wohlgefällig über die Freundesfreunde zu äußern. Man kennt sich ja schließlich – wenn schon nicht persönlich, dann aber über drei Ecken. Social Networking gauckelt soziales Interesse am Leben bekannter Unbekannter vor und will so gar nicht das sein, was es dennoch ist: Namedropping zu ureigenen Zwecken. Was aber passiert, wenn man sowohl so offen ist sein gesponnenes soziales Netz als das zu deklarieren, wozu es eigentlich dient – nämlich sich über Verbindungen Vorteile zu verschaffen – und außerdem noch die Frechheit besitzt, sozialgenetworkten Klatsch und Tratsch in die Segel einzuwickeln, die einen selbst ganz flugs um Nasenlängen vorauseilen lassen? Ein Aufschrei geht durch die Menge, die soziale Posse formuliert moralische Brandbriefe an weitere Freundesfreunde. So geht das ja schließlich nicht, sich auf Kosten anderer Vorteile zu verschaffen. Nur: Wer macht das nicht – mehr oder weniger jedenfalls?
Stattdessen bedient man sich eines Konstrukts, das in ungefähr so situationsbiegsam ist wie Freundesfreunde grundsätzlich loyal: der hoch gepriesenen Ehrlichkeit nämlich.
Ehrlich, ich bin nicht ehrlich! Grundsätzlich nicht. Weder zu mir, noch zu anderen. Wieso sollte ich auch? Ich belüge mich gern selbst! Ganz ehrlich!
Möglicherweise liegt es daran, daß ich eine Frau bin. Mir wären die allerschönsten Schmetterlinge im Bauch nicht herumgeflogen, wenn ich augenscheinliche Mängel des Verursachers nicht weg gelogen hätte. Natürlich ist frau hinterher immer schlauer und nimmt sich vor, daß einem so ein Reinfall nicht noch einmal passieren wird, wenn frau das nächste mal nur richtig hinschaut. Ehrlich versprochen!! Sich selbst und der Freundin, die die Tränen trocknet. Was soll ich sagen? Das ehrliche Versprechen ist just in dem Moment hinfällig, in dem ein neuer Mann das Leben und die Betttangente kreuzt. Und ganz ehrlich belügt frau sich dann schon wieder selbst, indem sie festzustellen geneigt ist, daß der Typ ganz bestimmt ganz anders ist als alle anderen Typen vorher. Ehrlich, wirklich jetzt...gaaanz anders!
Nehmen wir aber nur mal an, der Typ wäre wirklich anders - grundsätzlich wie auch speziell. Hat frau erstmal so ein seltenes Exemplar unter Einsatz sämtlicher Kräfte halbwegs domestiziert, dann will sie es natürlich nicht mehr gehen lassen. Dem stammesgeschichlichen Erbe sei Dank, gibt es dafür für dumme Frauen Tränen, Drohungen und schwangere Bäuche. Intelligente Frauen hingegen sind unehrlich. Was solche Frauen anstellen, um Männer zu halten, ohne daß die es mitbekommen, grenzt ans Sagenhafte. Im Wortsinne sogar, erinnert man sich an Zeus´ Hera: zornig, eifersüchtig, intrigant und rachsüchtig – aber nie vor ihrem Göttergatten und nie zu dessen Schaden. Vehement weist die neuzeitliche Hera den Vorwurf der Eifersucht genauso zurück wie sie die Konkurrentin süffisant ins offene Messer laufen lässt. Larmoyant beantwortet sie die Blicke des Angebeteten auf einen anderen Arsch mit Ignoranz und rächt sein Interesse mit vernichtenden Blicken auf die Angestarrte. Offen und freundlich ist sie gegenüber seinen weiblichen Bekannten, um selbige an anderer Stelle mit wohldosierten Informationen an Dritte bloßzustellen.
Der Mann indes bemerkt von alledem gar nichts und darf sich selbst zu einer stressfreien Frau an seiner Seite gratulieren. Die Gretchenfrage also ist: Klappe auf oder Klappe zu? Ja zum Situationsopportunismus oder Ja zum Dauerstress? Oder einfach nur Ja zum Überlegen bevor man den Mund aufmacht?
Allerdings gibt es so Situationen, in denen man als Frau, hält man die Klappe oder überlegt auch nur einen Tick zu lange, ziemlich schnell übervorteilt wird. Man kann unserer Kanzlerin durchaus eine trutschige Art unterstellen, aber sie wäre eben nicht Kanzlerin, hätte sie sich weiter im Schatten von Mount Helmut versteckt und die gegebenen Vorteile ihres sozialen Netzwerkes nicht klug genug genutzt. Man kann Segoléne Royal als geschlechtsopportune Entschuldigung der männerdominierten französischen Linken begreifen oder aber als Frau, die sich eben in dieser Struktur durchzusetzen wusste und am Ende den Vorwurf der Quotenfrau auf ihrem (Wähler-)Konto verbuchen konnte.
Ich für meinen Teil beabsichtige nicht, in nächster Zeit Kanzlerin zu werden und auch die Sparte „Bewerbungen von Frauen und Behinderten werden bei gleicher Eignung bevorzugt“ habe ich für die kommenden 6 Monate erstmal unter meine rosabeherzte Schreibtischunterlage geschoben. Stattdessen habe ich den Club der intelligenten Ja-Sager gegründet. Willkommen sind all diejenigen, die der Meinung sind, daß der Satz „Ich bin eigentlich eine ehrliche Person“ die große Schwester von „Ich lüge ansonsten wie gedruckt “ ist. Denn was ist heutzutage noch opportuner, als Ja zur allumfassenden Ehrlichkeit zu sagen?
Vereinsmotto daher:
„Ich sage Ja, wenns MIR passt!“

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Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwerer." [Kurt Tucholsky]

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bastiH - 20. Jun, 12:57
nix ...
... brutto-pferz. dass solche sachen "unter der hand"...
erphschwester - 10. Mai, 20:21

Mit Dank für den kreativen Input an:

Titania - stetes opfer von situationskomik / meine tochter - stetes opfer ihres alters/ sarah kuttner - stetes opfer von sich selbst/ herr b. - stetes opfer von mir/ f1 - stetes opfer von allem/ mr. behave - stetes opfer vom gleichen absurdistan/ alle latte-macchiato-terror-tempel der welt - stete opfer meiner sozialstudien

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