lesof bradshaw

Freitag, 5. September 2008

Männersofas und Frauensessel

Ich imaginiere gern. Das ist eines meiner großen Hobbies. Zum Beispiel stelle ich mir häufig vor, wie es denn wäre, den sehr alten und sehr klapprigen Herrn Lesof fürs Fernbeziehungswochenende vom Bahnhof abzuholen. Ich würde in heißer Erwartung, "Mutti" genannt zu werden, mit meinem Rollator auf ihn zu stürmen, während er - eines Prostataleidens anhängig - ganz schnell mal aufs Klo der Bahnhofsmission muß: Weils da immer so sauber ist und die immer so nett sind. SO oder so ähnlich harmonisch könnte es aussehen, hätten wir nicht beschlossen, irgendwann bald mal zusammen in EINER Stadt zu leben. "Irgendwann" und "bald" sind dehnbare Begriffe und nach einem gemeinsamen Besuch im schwedischen Möbelhaus weiß ich, daß "irgendwann" und "bald" erst dann gekommen sind, wenn ich den letzten Rest "Single-Mann" in Herrn Lesof mit Landhausmöbeln totgeschlagen habe.
Ich fahre wirklich gern zu Ikea. Allein ich trage mindestens 95% des jährlichen Umsatzes und habe dafür von der Firmenleitung schon mehrere vergoldete Billy-Regale verliehen bekommen. Ich bin Premium-Kunde, liebe Freunde, und das nicht zuletzt auch, weil ich jeden Scheiß kaufe, Hauptsache, er ist in "birke", "ahorn" oder "antik". Mit anderen Worten, ich kaufe Frauenmöbel: hell, deko-fähig und kantenfrei.
Bisher nahm ich an, daß die anderen am Umsatz beteiligten 5% der Weltbevölkerung geschmacklich mit mir quasi in einem Poäng-Sessel sitzen. Was ich bei meinen Überlegungen und dem Besuch bei Ikea an sich allerdings nicht berücksichtig hatte, waren die Männer, die nicht nur mit zu Ikea fahren, weil das kaufrauschbeglückte Frauchen danach Liebe in der neuerstandenen Bettwäsche machen will.
Ich habe einen davon. So einen mit einem eigenen Geschmack und schlimmer noch, eigenen Einrichtungsvorstellungen, die sich - und ich wage es kaum zu sagen - noch nicht mal nur auf die Küche beziehen. Nein, Herr Lesof ist in der Lage, eine ganze Wohnung im Kopf beim Anblick eines einzigen Kleiderschrankes einzurichten. Farblich passend zum Schrank, versteht sich.
Dummerweise gehen unsere Vorstellungen bezüglich des Interiors unserer zukünftigen 4-Zimmer-Altbauwohnung etwas auseinander und das liegt nicht daran, daß so aus der Kalten heraus schwierig Aussagen über zu Parkett und Stuck passende Möbel zu machen sind.
Nein, der Grund ist geschlechterbedingt. Testosteron, liebe Leser, ist kein guter Einkausfberater!
Es fing schon beim Sofa an: Wie zur Hölle sollten sich meine "leinen"- und rattanverwöhnten Augen bitte an ein graues, kastenförmiges Riesenteil gewöhnen, dessen Sitzqualitäten stark an das Nagelbrett eines drittklassigen Jahrmarktfakirs erinnerten? Ich will mit Wollsocken, Gammelhose und einem guten Krimi auf dem Sofa lümmeln. Herr Lesof möchte auf dem Sofa sitzen und die "Zeit" lesen! In Jeans! Das Ding war so groß, das seine "Fründe" auch noch drauf Platz hätten - und zwar alle. Ich finde auch, man sollte ruhig an der Größe des Sofas sparen, wenn man dafür einen ausreichend aufnahmefähigen Kleiderschrank findet. Herr Lesof darf seine Sachen ruhig in meinem unterbringen, ein bis zwei Regalbretter würde ich ihm auch freiräumen, aber die Wahl des corpus delikti dürfte doch wohl bei mir liegen, oder? Schließlich habe ich das Mehrheitsrecht. Herr Lesof allerdings schaltete beim Anblick eines schwarzen Monstrums mit Glanzfronten völlig auf Durchzug. Ich konnte seine Gedanken in seinen Augen ablesen: spiegelt-Bett davor stellen, mhm...f*****. Und zack, hatte ich mehrere Hände am Hintern und Zungen am Hals. Ich bekam Angst: Wenn wir diesen Schrank aufstellten, würde er tzrotz der üblichen 10 Stunden Arbeitstage viagrisch auf Herrn Lesof einwirken? Hätten wir dann täglich S**? Liebe Männer, es tut mir ja leid, aber genau das ist etwas, was sich Frau ganz bestimmt nicht wünscht! Um also ständige Debatten um die Häufigkeit der ehelichen Pflicht zum umgehen mußte Herr Lesof wohl auf den Schrank verzichten. Ich hatte kurzzeitig ein schlechtes Gewissen, tröstete mich aber mit der Küche.
Planen, sägen und bohren sind so Dinge, die macht der Herr Lesof gern, Kochen auch, also darf er sich in der Küche ausleben: So lange sie hell ist, keine Hochglanzfronten hat und an eine gemütliche, englische Cottageküche erinnert. Glücklicherweise baute Ikea/EF gerade um, so daß gar keine Küchen aufgestellt waren, in deren Funktionabilität Herr Lesof sich hätte verlieben können. Ich indes verliebte mich spontan in mehrere äußerst praktische Kissen, Decken, Vasen, Grünpflanzen und Teppiche, die mir Herr Lesof mit einem schwer zu berschreibenden Blick und der Aussage "Och nö!" aber jedesmal aus meinen zittrigen Fingern nahm. Ich hatte Tränen in den Augen: Sollten wir wirklich nicht einrichtungskompatibel sein? Hieß das, das wir nie zusammen in einer Wohnung leben würden können? War denn Landhaus-look-a-like wirklich so schlimm? Oder würde ich, wenn ich nachgäbe, ständig die "Fründe" zu allen möglichen Fußballspielen in unserem Wohnzimmer vorfinden? Müßte ich die TV-Fußball-Fettbemmen in einer durchgestylten Shining-Küche schmieren? Hätte ich endlich den von mir langersehnten Ohrensessel oder müßte ich mich auf einem kombinierten Hocker/Wohnzimmertischteil zusammenrollen?
Fragen über Fragen, auf die es "irgendwann", aber sicher nicht "bald" eine Antwort geben wird. Bis dahin studiere ich erstmal den neuen Katalog

Donnerstag, 21. August 2008

Popelig,

liebe Freunde, ist DIE Trendfarbe des Sommers. Völlig zu unrecht fristet diese schneidige Mischung aus schlammgrau und spinatgrün ihr Dasein in Nasennischen, unter Maler-und Lackiererfingernägeln und auf Mittelstandsteenagerpunkerköpfen.
Ich, stilsicher wie eh und je, dachte mir also heute:"Schluß mit sonnengelb aufm T-Shirt und mausgrau aufm Kopp! Machste dir mal die Haare schön, haste schließlich am Samstag ne Schuleinführung, wo du gleich mal verdeutlichen willst, was für eine selbstgeborene Satansbrut schicke Motte demnächst die Klasse 1b besucht! Schließlich schließt der Lehrer an sich ja gern vom Elternteil aufs Kind."
Ich färbe mir die Haare ja eigentlich nicht mehr. So ungefähr seit 10 Jahren jedenfalls. Aus unerfindlichen Gründen haben nämlich sämtliche Haarfärbungen aus grauer Vorzeit und quer durch alle möglichen Farbspektren ihre Spuren hinterlassen, die sich heutzutage in einem netten suppenden Grind nach dem Gebrauch freiverkäuflicher Färbungen äußern. Daher griff ich zu Henna. Henna, liebe Freunde der Schönheit, gibt es nicht nur in sozialpädagogikstudentenfreundlichem Rot, das möchte ich gleich mal vorausschicken. Henna, dieses wunderbare Endprodukt klein gemalener und getrockneter Inderscheiße, kann man auch in braun und schwarz kaufen. Toll, dachte ich mir, zusammen mit meinen eher dunkelblonden Haaren könnte ich mir so eine biologisch-dynamische Deutschlandfahne auf den Schädel donnern. (Gleich mal merken für die nächste EM!) Entgegen aller spontan-patriotischen Anwandlungen entschied ich mich dann aber doch für schwarz. Grund: Meine Naturhaarfarbe plus schwarz= gewünschtes schokobraun, so meine logische Überlegung. Auf dem Weg nach Hause hatte ich dann auch bei der Vorstellung einer rassigen dunklen Lockenmähne mehrere Spontanorgsamen, die bis zum Anrühren des Hennapulvers anhielten. Ich war kurzzeitig etwas irritiert, denn das was da im fairgetradeten Bambusschälchen vor sich hinmockte war grün, um nicht zu sagen: popelgrün. Der Beipackzettel beruhigte mich, stand da doch, daß die Farbe des angerührten Breis nicht dem Endergebnis entspräche.
Wie unrecht sie doch hatten, diese netten kleinen Hennafabrikanten!
Ich pappte mir also etwas von der Konsistenz aufgeweichter Schafsköttel auf mein holdes, dunkelblondes Haupt, erfreute mich am langsamen Festwerden besagter Masse und den eingesauten Handtüchern, schrubbte mir unter Schmerzen die ins blaue reagierten Färbespuren auf meiner Stirn ab und haarte harrte der Dinge. Endlich, endlich war es soweit: Ich benetzte mein betonhartes Haupthaar mit 2 Millionen Liter Wasser und bestaunte die lustige klosteinblaue Farbe in meiner Badewanne. Auch fühlte ich mich ökologisch voll im Gleichgewicht, denn alles, was da in den Orkus ging war ja Natur pur! Ein innerer Reichsparteitag, liebe Freunde, das kann ich euch sagen! Wie in der Werbung schmiß ich dann meine langen Loden dynamisch nach oben und in Richtung Fön, um meiner neuen Frisur mit einem schicken Rundbürstenstyle auch zur richtigen Geltung zu verhelfen. Der Einzige, der nicht mitspielte beim heimeigenen Germanys next Kopfmodel war mein Spiegel.
Es muß am Licht gelegen haben. Anders kann ich mir den grünen Schopf, der mir da entgegen blickte, nicht erklären. Aber vielleicht hatte ich das Ganze auch nicht richtig ausgespült? Fünf Haarwäschen mit Pantenes Stufenlookshampoo später konnte ich zwar anerkennend feststellen, daß meine Friseurin gute Arbeit geleistet hatte, damals vor 8 Monaten, aber irgendwie waren meine Haare... nun ja, popelig eben. Obwohl, und das muß man ja auch mal sagen: Wenn Licht drauf schien, war alles nur noch halb so schlimm, denn so schien mir wenigstens ein Nebenverdienst als Galleonsfigur irgendeines irischen Pubs sicher.
Als Tochter einer lebende Koboldklitschenwerbung allerdings lebt es sich sicher nicht leicht und so beschloß ich in aller Ruhe, zum Friseur zu gehen. Ich muß ja auch an mein Kind denken. Und an meinen Job. Und an meinen Freund. Und an mein Alter. Denn wegen mir hätte das ruhig so bleiben können! Das las ich auch aus den Tränen und dem vor Neid nach oben verzogenen Mund meiner Nachbarin, die mich mit erstickter Stimme fragte, woher ich denn diese tolle Haarfarbe hätte.
Die Intuiton ist die ältere Schwester der Vernunft, heißt es so schön, aber manchmal muß man der Vernunft auch ne Chance lassen. Sonst wird die ja nie erwachsen! Also trollte ich mich kurz nach sechs in die Stadt zum 10€-Coiffeur meines Vetrauens, der mich unter deutlichen Mitleidbekundungen wieder der Tür verwies: "Wir machen in einer halben Stunde zu. Bis dahin schaffen wir das nicht mehr!" Ich wurde nach den eigenartigen Blicken meiner Mitmenschen in Bus und Bahn so nur noch zusätzlich verunsichert. Sah ich wiklich so scheiße aus? Ich meine, ein Kopf, dessen Farbe Nasenexkremente in einem schönen Zusammenspiel mit einem lachfältigen Mund und nuancenhaft abgestimmten naturbraunen Augenschatten auf ungeschminkten prämenstrualem Pickelteint präsentierte, hätte doch die Kenner hipper Instyle-Cut-and-go-Tempel zu orgasmischen Gehauchze anregen müssen! Kurt Cobain hätte mir vom Fleck weg seinen letzten Druck angeboten! Ich hätte mir sogar fürs Gesamtbild bei H&M ein karriertes Halstuch gekauft! Oder Totenkopfhaarspangen!
Ich mußte es einsehen: In der Provinz ist es noch nicht Zeit für DIE Trendfarbe des Sommers. Also rin in den nächsten Cut-and-go-Verschnitt:
"Mäuschen, was hast DU denn gemacht?", quitschte es mir unter lauten Jack-Jones-Gejaule bestürzt entgegen.
"Ich habe mir die Haare mit Henna gefärbt und alle finden es doof!" lautete meine tränenreiche, wenngleich emotionslos vokalisierte Antwort.
"Steffi, gucke mal, was machn wir denn da? Die 3-1-4 oder doch besser die 5-1-6? Nicht, daß das dann noch schlimmer wird! Oder sollen wir vorher doch lieber erstmal blond so als Grundierung machen?"
Ich bekam mehrere Herzinfarkte. Weniger wegen unbekannter Dinge wie 3-1-4 oder 5-1-6. Wegen mir hätten wir auch gleich die 1-1-0 anrufen können, aber B-L-O-N-D, das war wirklich Wasserstoffperoxid in der offenen Haarwunde. Glücklicherweise entschied sich die herbeigerufene 0-8-15-Steffi dann gegen blond so als Grundierung, weil jenes das bis dahin richkolbenexkrementale Grün in ein deutliches Textmarker-Neongrün verwandelt hätte. Und so klatschte mir die Frisöse ein twentysomething freundliches dunkelbraun auf meinen ungewollten Mittelstandspunkerhead. Dank des in der Farbe enthaltene Ammoniak entwicklete zwar meine Kopfhaut ein Eigenleben, aber ich bin ja ein Mensch, der wirklich jeder beknackten Situation etwas Gutes abgewinnen kann. So kann ich jetzt zum Beispiel sagen, daß das unverhoffte Teilen der Lebenswelt von Menschen mit schizioden Persönlichkeitsstörungen eine der wertvolleren Erfahrungen meines 29jährigen Lebens ist. Auch verhalf mir die Cut-and-go-Hippe gleich noch zu einem ausdefinierteren "mal durchstufen", damit sich die 3,49 für Pantenes Stufenlookshampoo in eine ausgehfreundliche Richtung amortisieren konnten.
Ich verließ das "Haarstudio" letztlich mit einem wirklich tollen dunkelschokobraun. Genauso eins, wie ich es wollte, hatte eine neue beste Freundin gefunden, die mich nicht nur schätzt, weil ich in ihrer achtjährigen Berufserfahrung die Erste mit einem derartig mißlungene Selbstfärbungsversuch bin und habe endlich den von der Friseurinnung oft kolportierten Imperativ des "Selfmade ist was für Leute mit Talent" verifiziert.
Gefönt habe ich übrigens selbst - Mit heißer Luft kann ich nämlich umgehen!

Dienstag, 29. April 2008

...

was muß ich eben in der ungefragt in meinen briefkasten geworfenen lokalzeitung lesen? "beziehungskiller schwerhörigkeit:kommunikationsprobleme auf paltz 2 hinter unzufriedenheit beim sex!"
ich bin alarmiert! nicht, daß ich nach dem genuß der "aopthekenrundschau"-werbung bis eben gerade noch dachte, impotenz wäre der beziehungskiller nummero uno ("reden sie drüber!"). dinge ändern sich eben. oder vielmehr:man muß der wahrheit ins blutunterlaufene auge schauen.
es ist nämlich so,daß frauen eigentlich wissen, daß der mann an ihrer seite unter temporärer schwerhörigkeit leidet. meistens nach den fragen "liebst du mich noch?" "bin ich dir zu fett?" und "am sonntag sind wir bei meiner mutter zum kaffee eingeladen. du hast doch nichts vor,oder?"
wir rechnen damit. wir gestehen es euch zu,männer. denn, so las ich heute in einer ayuverdischen yoga-zeitung: frauen haben ein schnelleres emotionales temperament als männer. anjali und svirim, seit 30 jahren ein total gutes paar mit gleichen interessen (hatha-yoga und indien) müssen das wissen. seit 30 jahren hören sie sich nämlich gut zu. das heißt, svirim läßt die emotional schnellen donnerwetter von anjali über sich ergehen wie dazumal den täglichen linsenpampf seiner indischen mutter.
ich erfreue mich ja immer an derartigen true-life-stories, denn mein emotional schnelles feminines temperament öffnet dann automatisch die große "kenn-ich-" dose. normalerweise.
flugs rekapitulierte ich sämtliche meiner beziehungen der letzen 15 jahre und setzte die dauer selbiger mit der häufigkeit des satzes "hörst du mir eigentlich zu?" und "du verstehst mich nicht!" in beziehung. ich kam zu dem schluß, daß die halbwertzeit einer beziehung sich daran mißt, wie viele andere männer besser zuhören konnten als der eigene.

Dienstag, 8. April 2008

thirty-eyerything

es ist amtlich. ich bin alt.
letztens erst fragte mich das kind nach meinem alter,welches ich übermütig auf 30 datierte. es fehlen zwar noch ein paar monate bis zum eintritt in das hochoffizielle dahin-kompostier-alter, aber die machen den kohl auch nicht fett. oder mich jünger.
die plage ist ja eine nette -an sich. hier jedoch konterte sie mit eindeutigen mitleidsäußerungen und der bangen frage, ob ich jetzt bald eine oma sei. so leid es mir tat, ich mußte verneinen. NOCH kann ich ziemlich schnell gehen, höre aufpeitschende rockmusik und kann mich abends dran erinnern, was ich mittags gegessen habe. meistens suppe - aber das ist eine andere geschichte und hat nichts mit fehlenden zähnen zu tun.
"30", so sinnierte das weltwissen besitzende, 5 lenze zählende menschlein, sei "ziemlich alt und wenn man alt ist,vergißt man viel." auch an dieser stelle verneinte ich inbrünstig, wurde aber argumentativ geschlagen mit einer liste an sachen, die ich versprochen und vergessen haben soll. darunter waren mehrere barbies verschiendenster ausführungen, diverse pizzen am wochendende und ihre yogahose letztens.
ich hatte diesen rückschlag fast vergessen bis ich letztens in der buchhandlung meines vertauens stand und mir statt guter belletristik ein yoga-buch kaufte. wegen der rückenschmerzen. seitdem mache ich täglich 2x eine halbe stunde yoga und bin dehnbar wie mit mitte zwanzig.
eine tolle sache an sich, auch hinsichtlich der kondition. schließlich habe ich nur aller zwei wochen sex und da muß man ja einiges nachholen.die sache hat nur einen haken: noch bevor es zu irgendwelchen spontanen lustbewegungen kommt, schlafe ich ein. umso früher stehe ich aber auch auf weswegen ich abends wieder gegen zehn einpenne. ein teufelskreis. letztens beim arzt las ich einen aufrüttelnden bericht über das veränderte schlafverhalten im mittleren alter.nachdem ich aufgewachtwar, fand ich mich wieder. im inhalt des artikels und in einer sabberpfütze.
auch ist mir aufgefallen, daß meine ehedem knackigen lenden langsam aber sicher ein opfer der schwerkraft werden. ich schiebe das auf den sich ab 30 verlangsamenden stoffwechsel. manchmal tröste ich mich ein bißchen damit, daß mein bauch zwar deswegen auch immer fetter wird, ich aber damit aussehe, als ob ich im 5. monat schwanger wäre. zumindest dem uneingeweihten kann ich damit noch vorgaukeln, im gebärfähigen,d.h.nicht ganz vermoderten, alter zu sein.
gebärfähig, aber nicht mehr jugendlich -so meine derzeitige euphemistische selbstwahrnhemung. die ich heute auch meiner sekretärin verklickerte,als die mich wegen einer sommerjacke zu pimkie schicken wollte. die sekretöse ist 21. ich nicht. "sabine" sagte ich, "sabine ich kann das nicht mehr tragen. die klamotten sehen lächerlich aus an mir. wie bei einer oma, die röhrenjeans trägt!" da war es wieder, das wort oma. und mir fiel ein,daß ich mir letztens im überschwang überhang meines kontos eine röhrenjeans kaufte. mittlerweile betrachte ich das gute stück als miederhose gegen meine gratividitätsschwangeren arschbacken. man lernt das ja mit dem alter: in allem etwas gutes zu sehen. es gibt wichtigeres als die figur. zum beispiel was man am wochenende kocht.
ich koche gern. marinieren, filetieren, flambieren, das waren bis vor kurzem noch dinge, an denen ich freude hatte. mittlerweile empfinde ich derartiges kochgehabe als den verzweifelten versuch der twenty-something-gemeinde um jamie olliver und andere küchenbullen, die unweigerlich eintretende geschmacksverkalkung zu umgehen: forever young mit hippen rouladen-variationen.
ich kann da nicht mehr mithalten. meine geschmacksnerven degenerieren hin zu mahlzeiten die aus maximal drei komponenten bestehen: fleisch,kartoffeln und soße.und so kam es,daß ich mich heute mit meiner nachbarin über das beste sauerbratenrezept austauschte. schweine und soßenlebkuchen, liebe freude, gewinnen einen zunehmenden stellenwert in meinem leben. so sehr, daß ich die ebenfalls zunehmende anzahl praktischer plastik-aufbewahrungsdosen in meinen kühlschrank damit bestücke- für schlechte zeiten. überhaupt: ich bin ein freund der vorratshaltung geworden. hatte ich erwähnt,daß meine nachbarin connections zu tupperware hat?
apropos connections: seitdem ich regelmäßig spazieren gehe, ist mir aufgefallen,daß diese erfreuliche art des kalorienabwanderns auch andere teilen. man kennt sich mittlerweile, grüßt sich gar. ich finde das schön, besonders als wir unseren osterspaziergang unternahmen.
das unternehmen "thirty-everything" hat also begonnen. sehen wir der wahrheit ins auge.
für die tue ich auch etwas neuderdings. für die augen,meine ich. etwas, in dem kaffee drin ist, umschmeichelt meine tränenversackten dunkelschattigen, von dünnen wimperchen umgebenden altfrauenaugen und verspricht mir, daß ich ganz bald mindestens 5 jahre jünger aussehen werde. jeden morgen klopfe und reibe ich also das wunderelexier ein, vertusche die geplatzen hautäderchen mit make-up, booste meine wimpern, zwänge mich in enge hosen und pushe die glanz- und kraftlosen locken,um wie früher auszusehen. früher,als rückenschmerzen noch eine erfindung von lamadecken-verkäufern waren, h&m coole klamotten verkaufte und der abend um zehn anfing,statt aufzuhören.

Samstag, 30. Juni 2007

wieso opportunismus eigentlich ne schicke sache ist

ich mag ja leute,die sich gern beschreiben mit den worten "grundsätzlich ehrlich". grundsätzlich ehrlich meint nämlich in den allermeisten fällen, daß die betreffende person ehrlich meint, grundsätzlich ehrlich sein zu wollen-ja nach situation jedenfalls.
besonders weit verbreitet ist der drang, grundsätzlich feststellen zu müssen, daß man ehrlich sei, bei frauen. also dem geschlecht, was sich selbst schon morgens nach dem aufstehen in die tasche lügt, daß falten wegschminkbar wären.
überhaupt und eigentlich ist es aber so, daß die frau an sich gern eine starke sein möchte. eine, die den eindruck erweckt, die klappe aufmachen zu können,wenn ihr etwas nicht paßt. dank vielzähliger frauenzeitschriften wissen wir auch, daß dies gar nicht so schlimm ist und wir gerade deswegen ganz schlimm von den männern lieb gehabt werden,weil die sich so was mindestens genauso wünschen wie täglichen oralverkehr. wie schön, daß man also diesen wunsch auch verbal befriedigen kann.wenn ich ein mann wäre, würde es mich ja - glaubt man den frauenzeitschriften- auch in die sphären ungeahnter befriedigung katapultieren, wenn meine frau mir ihre unlust am sex verbal, dafür aber strong than ever, auszudrücken vermag. denn ich als mann steh voll auf stundenlange gespräche über die sex.

Samstag, 8. Juli 2006

ich bin...

hip. wirklich! ich lege wert auf diese feststellung, zeichnet sie mich doch neben meinem dasein als perfekte geliebte, super-mommy, herausragende zeithistorikerin, dr. phil. in spe, wortkreationsgenie und trägerin der tomatensortenneuerfindungsmedaille in kirschkerngrün der berliner lanwirtschaftsmesse in besonderer weise aus.
bekanntlich ritt mich ja heute nicht mein gewohnter gaul...äh: ritt mich heute die kreativität und ich beschloß,mein wohnzimmer neu zu streichen. herausgekommen ist dabei eine - wie ich finde - sehr gelungene farbmischung in café au lait, garniert mit milchmütze und kakaostreuseln - quatsch: weißem blockstreifen und einem schokobraunen minimal-muster. als ich fertig war, stellte sich mir dann aber offen gestanden die frage, wieso ich die tönungen meines lieblingsgetränks an die wand gepinselt hatte.
ich bin ja pragmatisch: zu viel wohnraum kann und sollte durchaus aus uneigennützigen gründen anderweitig zur verfügung gestellt werden. so beherbergte ich während der fußballweltmeisterschaft die mitglieder von 3 mexikanischen mariaci-bands aus polen, eine buslandung japanischer touristen auf dem weg zum oktoberfest, mehrere tagende heimorgelspieler und meine mutter. gleichzeitig versteht sich. meinem großmut sind allerdings grenzen gesetzt: da ich leider keine zwischendecken einziehen kann, um eine chinesische wäscherei beherbergen zu können und auch mein balkon so mit heimorgeln vollgestellt ist, daß sich da beim besten willen keine anatolische großfamilie unterbringen ließe, mußte ich - auch eingedenk des endes der wm - umdisponieren. ich dachte mir daher:machste doch aus deinem wohnzimmer ne schicke kaffeetrinklandschaft für die hippe pseudoupperclass j.
mit den gastgeschenken meiner herbergsgäste verkleidete ich mich also fix als mexikanische heimorgel made in japan, düste los und klaute ganz meinem polnischen naturell entsprechend alle schokobraunen clubsessel meines ansonsten bevorzugten kaffee-dealers. vor meinem haus dann noch schnell nen aufsteller hingebastelt mit dem zitat des tages ("manchmal blitzt dir der wahnsinn aus den augen" herr b.) und drinnen auf anraten meines schnell konsultierten innenarchitekten eine großbildleinwand installiert, auf der wahlweise
a) alle spiele der regionalliga des vatikans
b) das video zu "je taime - moi non plus" in dauerschleife (gern auch beides gleichzeitig)
c) oder die inhalte meines bloggs gelesen von dem bayern von kürzlich aus dem zug, der zu seinem fürchterlichen dialekt auch noch lispelte gezeigt werden.
ich war ja wirklich froh, meinen innenarchitekten noch zu erreichen. selbiger fuhr nämlich gerade per db in richtung berlin, um dort eine angesagte szenekneipe mittels seiner alleinigen gegenwart einzurichten. aber das ist eine andere geschichte.
da ich ja meine privatgemächer zu verfügung stelle, stellte sich nun die frage nach security-personal.ich spielte kurzzeitig mit dem gedanken, ein bis zwei kurz vor dem ersten examen stehende jurastudenten anzustellen. die sind ja dann immer so hypernervös. allerdings verwarf ich diese idee schnell wieder ins nächstbeste kaffeedöschen, denn der jura-student an sich hat ja eher weniger das flair eines durchsetzungsfähigen postpubertären. glücklicherweise fiel mir dann aber mein schöner mann ein. den muß ich jetzt nur noch dazu kriegen, im allerbesten türk-deutsch zu sagen: "ey, gesücht arsch, anssug arsch, alles arsch - du kommst hier net rein..." - dann wärs perfekt und sein bezopftes haupt hätte dann auch endlich seine OFFIZIELLE berechtigung.
mitten in den vorbereitungen zu j. hipster lokalität nach dem treffpunkt der volksolidarität und nach 75 mundgeklöppelten tischdeckchen fiel mir aber dann folgendes auf: wenn ich meine wohnung tatsächlich zu derartigen zwecken umfunktioniere, wo,bitte schön, soll ich dann in zukunft v*****?
schweren herzens strich ich erneut die wände, vielmehr tapezierte ich sie in einer netten augenfreundlichen großornamentalen retro-tapete, holte den flokati vom dachboden,schmiß orangefarbene tücher über die lampen und warf aus dem handgelenk sitzkissen auf den boden. statt einer coffee-to-go-landschaft gedenke ich nun, einen begegnungsort für kuschelentwöhnte singles zu gestalten. ich stelle es mir so schön vor: 20 leute, die sich nicht kennen, aber auch einfach mal nur miteinander kuscheln wollen - so ganz ohne sex, der ja durchaus völlig zu recht überbewertet wird.
anmelden kann man sich ab jetzt, gesichtskontrolle wird nach wie vor mein schöner mann übernehmen, kaffee gibts nicht, der macht aggressiv (stattdessen werden fair gehandelter jasmintee und dinkelkräcker gereicht) und dazu werden tibetanische volksweisen von mir höchstpersönlich auf zwei leeren kaffeedosen intoniert. fürs erste treffen konnte ich übrigends jane dotson gewinnen, die über den zusammenhang von befriedigendem kuscheln und weltpolitik referieren wird. außerdem geplant ist eine alle betreffende schädelrasur, um als lebende "stoppt-den-nuklearen-wahnsinn"-schilder gegen die fußballtrikots von serbien-montenegro zu demonstrieren.

Sonntag, 2. Juli 2006

einige anzeichen von frühvergreisung

heute morgen habe ich mein drittes graues haar entdeckt. der tag war so ziemlich gelaufen, und selbst meine lieblingsfreizeitbeschäftigungen wie das ärgern über spontane ostsee-kurztrips meines favorisierten extrempettingpartners oder hardcore-hühnersuppen-koching (im 3-liter-topf) konnten meine stimmung nicht mehr hochpimpen.
die entdeckung meines ersten grauen haares im oktober letzen jahres habe ich noch mit ironischem hochmut betrachtet und im kreise interessierter ausgehend breitgetreten. beim zweiten war ich schon leicht angepißt, führte den körperlichen verfall aber auf eine kurzfristige fernsehprogrammbedingte pigmentstörung zurück.
dass mir aber mit dem fund des dritten eine verfrühte steve-martinisierung ins haus steht, beunruhigt mich doch nachhaltig, denn bislang konnte ich noch keine anderen altererscheinungen an mir feststellen. ich bin, obwohl ich tagtäglich die duftkerze des lebens an allen möglichen enden abfackele, noch ziemlich faltenfrei und auch sonst versprühe ich eigentlich eine ziemlich rüstige aura:ich kann sehr schnell gehen, höre aufpeitschende popmusik und bezeichne mich nach wie vor als "mädchen". trotzdem weiß ich sehr wohl und muß es also jetzt auch anerkennen: ab 25 fährt man die rolltreppe des lebens abwärts und mit dem einsetzenden dahinkompostieren sollte ich mich also auch langsam mit dem ewigen trendthema "erwachsenwerden" beschäftigen.
als ich klein, äh, als ich noch ein kind war, war ich mir ziemlich sicher, daß ich nie hohe schuhe tragen, rauchen oder sex haben würde - für mich damals drei der unangenehmsten begleiterscheinungen des erwachsenwerdens.
das habe ich SO nicht aufrecht erhalten können, wie so einige andere kinderspinnereien auch. ein erwachsensein im bermudadreieck nikotin-stöckelschuhe-extrempetting muß ich also auf jeden fall schon mal anerkennen.
viel schlimmer ist: noch vor wenigen monaten erschienen mir sport und gesunde ernährung bei altersgenossen als unzulässige anzeichen von frühvergreisung. freunde, die mir ein date in stylishen coffee-to-go-lokalitäten zugunsten eines fitness-center-besuchs absagten, schrie ich mit schaum vorm mund an, daß sie sich ja jetzt gleich noch ne phil-collins-best-of mit beigelegter heizdecke kaufen könnten und: es waren die längste zeit freunde gewesen. schütt ich mir meinen 6fachen frapuccino halt allein hinter die kauleiste.
mittlerweile sammle ich selbst schlappmachende erfahrungen in körperlicher extrem-beschäftigung, habe dafür sogar einen personal-trainer angestellt, und in der vollwert-abteilung meines supermarktes redet man mich beim fachberatungsgespräch mit meinem vornamen an.
generell esse ich gerne gut. gut im sinne von besser. ich will rucola und feldsalat statt eisbergsalat. ich will carpaccio und vitello tonnato statt spaghetti carbonara. in italo-restaurants, die "pizzeria san marco" heißen, geh ich gar nicht erst rein. ebenso wie ich plötzliche petting-partner ablehne, die mir eine auf dem fußboden liegende matratze als bett verkaufen wollen, verkeimte badezimmer haben und kiffen und saufen als extremsport betreiben.
wie konnte es so weit kommen? ich fange offenbar an, anzuerkennen, daß das heute eine tolle sache ist, daß man dem morgen aber auch nicht absprechen sollte, morgen ein heute sein zu dürfen. mit anderen worten:ich werde erwachsen. FUCK!
vom körperlichen mal abgesehen, werde ich auch im kopf älter. in letzter zeit stört mich zum beispiel laute musik beim arbeiten - andererseits: neuerdings grüßt mich mein büronachbar wieder.
ähnlich verhält es sich mit dauerironie und schlechten witzen, enorm heißgehandelten 80er-revival-hype-bands aus new york und jungen menschen im allgemeinen, was bei meinem arbeitgeber durchaus schon mal zu einem freiwilligen verzicht auf mensa-besuche führen kann.
hierzu paßt auch mein ergebnis in einem online-test,demzufolge mein geistiges alter bei 38 liegt. zwar sind mir persönlich mehrere 38jährige und drüber bekannt, die im selben test auf ein geistiges alter von 12 kamen (was auf eine erdrutschartige generationsverschiebung hindeutet), aber trotzdem: wer will sich schon selbst so vorausleben? außerdem: wenn das geistige alter dem lebensalter entsprechend vorauseilt, bin ich mit 38 innerlich mindestens 50 und muß eine riesige party organisieren, auf der dann nur noch brotwasser und fair gehandelter jasmintee gereicht werden.
meine panische frage an diesem tag lautet also: bin ich schon spießer oder nur erwachsener? vielleicht brauch ich aber auch nur ein meet-and-greet mit pete doherty oder anderen sympathischen ewig-12-jährigen und alles wird dann wieder gut?
vermutlich nicht. ich muß jetzt aufhören, die finger tun vom schreiben weh - wahrscheinlich gicht. aber vielleicht bringt mich ein bißchen zdf-gucken oder ein paar dehn-und-streck-übungen auf einem überdimensionierten gummiball ja auf andere gedanken...

Freitag, 30. Juni 2006

aber auch schön

als ich vorhin mit mutter und tochter in unserer schneidigen einkaufspassage on the road war, treff ich zufällig auf der rolltreppe einen kollegen. format: sehr sehr lecker. ich fuhr runter, er hoch, wir grüßten uns grinsend und beide in erinnerung an ein sehr -schmunzel- nettes gespräch kürzlich auf der lehrstuhlfeier.
meine mutter: "huch, was war denn das für ein leckerchen?"
ich: "n kollege von mir."
sie: "der sieht aber gut aus!"
ich: "ich weiß" grinse
sie. "verheiratet?"
ich: "nee, frisch getrennt"
sie: "aha... der wär doch was"
ich: "für dich oder für mich"
rolltreppenende, ich dreh mich noch mal um - er sich auch, wir grinsen
meiner mutter gegenüber wechsle ich schnell das thema, vielmehr will ich es, aber das biest läßt nicht locker:
"der hat sich ja eben nochmal umgedreht, als du dich dich auch umgedreht hast..."
ich:"tatsächlich!"
sie:"du bist ne doofe kuh!"
ich: "jepp-wie der herr, so´s gescherr, liebe mutter..."
und dann fällt mir ein, daß männer und frauen tatsächlich anders flirten. selbstredend hätte der beste männliche flirtmeister aus dieser situation gar nichts eruieren können. hochoffiziell drehte sich lesof nämlich zufällig um, so im kind-an-die-hand-zwing-drive. grins! er hingegen starrte mir schlicht und ergreifend hinterher.
oder eine andere situation: da steht jemand so rum und überlegt, sich ein produkt zu kaufen. die lesof schaut dabei links und rechts ein wenig rum, man muß ja auch mal gucken, was so um einen rum passiert. da trifft sich ihr blick mit einem anderen. mann/frau schauen weg, schauen wieder hin, gleichzeitig, grinsen. das alles in zehntelsekunden und völlig unbemerkt von dem menschen, der gerade im begriff ist, die wirtschaft anzukurbeln. natürlich fällt dessen bemerkung, daß er das gewünschte hier nicht bekommt genau in den moment, in dem frau gerade "liebesäuglein" schmeißt.also dreht frau sich zum realen objekt der begierde, natürlich nicht ohne in mikro-mikro-sekunden einen völlig anderen blick aufzusetzen und ganz souverän zu sagen: "dann schauen wir mal weiter".
er hingegen: da steht man also gemeinsam irgendwo rum und dann läuft einem direkt vor der nase so ein mäuschen vor den füßen rum. er: STARRT so was von offensiv dem tusschen hinterher und zwar so straight, daß frau dann nur noch larmoryant sagen kann: "na, die war ja niedlich. nettes ärschchen, n' bißchen klein vielleicht die frau..."
frau sagt das gar nicht abschätzig, war ja wirklich ne süße, aber es schwingt so ein mütterlicher, na sagen wir mal lieber, gönnerhafter ton mit. dieser herrliche tonfall, wenn man mann bei etwas "erwischt", was irgendwie gar nicht schlimm ist, sondern in seiner offensivität eher ein grinsen verursacht - dieses typische männerverhalten eben, bei dem frau nur noch schmunzeln kann, weil "ERTAPPT!KLISCHEE!!!" herrlich. und gut, daß wir frauen so etwas um längen besser beherrschen...
jetzt schreit die männerriege natürlich: äh, is ja gar nicht so. können wir genauso unbemerkt...
liebe männer: könnt ihr nicht! selbst wenn ihr es - für eure begriffe - unbemerkt macht, bekommt frau es trotzdem mit. an der stelle gibt es dann folgende frauliche handlungsvarianten:
erste: die vom mann anvisierte frau ist der typ, den das kerlchen im leben nicht unter sich bekommt. reaktion: "mach mal, bürschchen. daß du jetzt schaust, schieb ich mal auf das outfit/die haarfarbe/die tittengröße." prinzip:playmate des monats. völlig gefahrlos, deswegen unkonnotiert. frau hält die klappe.
zweite: anvisierte frau ist tatsächlich ne gefahr, weil nicht erster variante entsprechend, also im idealfall greifbar fürs kerlchen. reaktion gute frau:zurücklehnen und die eifersucht zum reiz für später werden lassen. motto: dir zeig ich nachher, was du an MIR hast... reaktion schlechte frau: rumgezicke. reaktion biest: genau in den blickkontakt treten und den mann küssen, blick danach in richtung anvisierte frau werfen und qua auge sprechen: "das ist mein revier, meine liebe..." wichtig dabei: leicht überhebliches grinsen in richtung frau nicht vergessen
dritte: siehe "ERTAPPT!"
vierte: frau ist genuin höllisch eifersüchtig und bezieht das augenrotieren ihres typen auf eigene unzulänglichkeiten. folge: eine szene allererster kajüte -uneingedenk von ort und situation.
fünfte: (für die ganz selbstbewußte, sauschwierig, muß man lernen): zurücklehnen und machen lassen, sich selbst feiern, daß man sich einen wirklich schönen mann gewählt hat. auch mal nett sein zu anderen, sie teilhaben lassen an seiner schönheit, die er kurzzeitig anderweitig verteilt. gar nicht reagieren, so tun,als ob mans nicht mitbekommt und sich auf seine eigenen qualitäten verlassen.aufstehen und sich vom typen,den man die ganze zeit schon vom herzchen unbemerkt anblinkert, ein getränk ausgeben lassen und mit dem ernsthaft und ohne flirterei über tagespolitik reden.


da fällt mir ein: was macht mein schöner mann wohl eigentlich gerade?

Montag, 6. März 2006

abserviert

ich suche abserviersprüche. nicht weil ich jmd abservieren muß, sondern weil ich das nächste mal mal einen spruch bereit haben will und nicht irgendwas dahinstammele, was nicht ernst genommen wird. also bitte - tobt euch aus. der beste wird belohnt - ich berichte dann über den erfolg.

Sonntag, 15. Januar 2006

alte kuh

"und dann krochen sie aus dem urmeer über den amphibiengürtel, fanden das feuer und kochten kaffee" (lenz: deutschstunde)- das betrifft die menschheit an sich. es gibt aber noch eine geschlechterspezifische verfeineirung: zwischen feuer finden und kaffee kochen erfand der mensch die liebe - die dumme, das herzensfeuer. und spätestens da hörte es auf, lustig zu werden. ich bin ja schon froh, daß in unserem individualisierten jahrhundert die promiskuität wieder diskutabel wird (gelebt wurde sie ja schon immer). da kann man sich jetzt hinstellen - ob anthropologe, kulturwissenschaftler oder bordellbesitzer - und sagen: "der mensch ist von natur aus nicht treu, weil er sich fortpflanzen muß - das liegt in den genen." und dann zieht man noch feine unterschiede: die frau ist nach gelungener fortpflanzung ihrer gene erstmal gesättigt, zudem hat sie sich ja - dank stammesgeschichtlich insistierter und immer noch wirksamer faktoren - schon vorher den passenden für die fortpflanzung ausgesucht. der mann hingegen funktioniert nach dem prinzip "alte kuh" - man bietet einem bullen eine paarungsbereite kuh an, der deckt die, sie kalbt. aber man glaube nicht, daß der bulle dann nochmal auf die kuh will. selbst wenn man sie mit dem pheromongetränkten urin einer anderen kuh einschmiert, ist der bulle nicht bereit, die "alte kuh" erneut zu bespringen - es ist wirklich so, im tierreich wie bei den menschen. klar, der menschliche mann (oder männliche mensch) ist zumindest einen schritt weiter und bespringt seine "alte kuh" durchaus noch mehrmals. die augen allerdings - die rotieren. und wenn die alte kuh sich dann pheromongetränkten alkohol auf neuralgische stellen klatscht, die haare ändert und sich wieder schminkt, selbst dann ist der mann schon ganz woanders. man verstehe das nicht falsch: gucken ist ja erlaubt - aber gegessen wird zu hause, so der standartspruch. ich möchte an dieser stelle einen freund zitieren, dem ich diesen spruch mal gedrückt habe. er konterte und sagte:"ja,aber du hast ja keine lust, jeden tag schnitzel zu essen."
was soll man da noch sagen?

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