die freuden des zusammenlebens

"Jeden Freitag saugen wir zusammen Staub - das ist halt so!" sagt mir gerade die fönondulierte Dame jenseits der 50, die auch findet, daß die verrückten Gardinen nach dem männlichen Fensteröffnen gar nicht so schlimm sind.
Jetzt hab ich da aber ein Problem. weniger wegen gemeinschaftlichen Staubsaugens oder verrückten Gardinen oder weil ich gerade eine Doku über das "Geheimnis der ewigen Liebe" auf 3sat schaue. MEIN Problem ist nämlich jenseits jeglichen Pragmatismus, der sich so nach ein bis fuffzig Jahren des Zusammenlebens einstellt. Und das kam so:
Aus nicht weiter wichtigen Gründen ist Herr Lesof neuerdings nicht mehr gezwungen, den Großteil des Monats in Düsseldoof zu verbringen. Was habe ich mich gefreut! Ehrlich! DAS bißchen Skepsis, weil da jemand in mein wohlgeordnetes, mackengerechtes Leben reinpurzelt, das muß man ja auch nicht ernst nehmen. Schließlich teilen wir ja nun schon seit fast drei Jahren unregelmäßig Tisch und Bett miteinander. Da lernt man sich ja auch so richtig kennen - zumindest was das Umschiffen krisengeneigter Situationen angeht, wenn, ja, wenn man nicht die eh schon kurze Zeit miteinander mit Streiten verbringen will.
Irgendwie gereicht so ein partieller Scheuklappenflug durch die Beziehungsgefilde zwar zu einem aus dem Herzen geschleuderten "LOHOVE!", ist aber nicht sonderlich alltagstauglich. man verstehe mich nicht falsch - ich kann den Herrn Lesof voll gut leiden. Er schnarcht nicht, ist gepflegt, bringt den Müll runter und kriegt für gewöhnlich auch besoffen noch einen hoch, aber ich glaube mittlerweile, DAS sind die nicht wirklich entscheidenden Dinge beim Zusammenleben.
Es ist nämlich so, daß ich ein bißchen schwierig bin. Ich habe zum Beispiel keine Probleme damit, den Kinderpass unterm Wohnzimmersofa zwischenzuparken oder mich aufgrund meiner Trennungsängste in ein lang andauerndes, wenngleich olfaktorisches Desaster mit meinem Hausmüll zu stürzen. Auch sind Energiesparen und das Aufbewahren von Marmeladengläsern geschätze Hobbies meinerseits. Und ich finde, daß die tägliche Desinfektion meines Klos und der umliegenden Bereiche eine gesamtgesellschaftlich geschätzere Tätigkeit als - sagen wir - Online-Fußball spielen ist.
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen sieht Herr Lesof das anders. Meine über Jahre mit System gezüchteten Schrunz- und Flunzecken werden unsensibel umarchiviert, mein Müll wird mir entrissen und der PC ist im Dauerstandby. Plötzlich ist die neu geplante Küche um einen 100 € teuren Kochtopf/Pfannen-Auszug und 500 m Arbeitsplatte reicher und ich schlafe im Elektrosmog, weil sich das Internet neuerding im Schlafzimmer befindet -am dort stehenden Schreibtisch, der überladen mit seinem Zeug ist. Obwohl ich an dieser Stelle erwähnen muß, daß der nun für Schlafschwierigkeiten sorgende Elektrosmog einen entscheidenden Vorteil hat: Herr Lesof ist dort häufig länger mit einem Ding namens "Hattrick" beschäftigt und ich kann dafür in Ruhe im Wohnzimmer stricken. Jaha - liebe Freunde, ich darf nicht in seiner Gegenwart stricken!
Ich komme mir deshalb etwas beschnitten vor. Der ein oder andere mag vielleicht nicht verstehen warum, aber stellt euch doch mal vor, ihr habt euer Lebtag den Abend popelnd vorm Fernseher verbracht und könnt es jetzt nicht mehr, weil ihr das Sofa jetzt statt mit die Hände beruhigenden Bohrungen mit etwas Lebenden teilen müßt. Und irgendwie stellt sich dann zu allem Übel auch noch heraus, daß das Sofa ja viel zu klein ist für zwei. Nix mehr mit Grätschen lang machen. Irgendwie eckt man immer irgendwo an. Wär ja auch alle noch erträglich, wenn man die ungemütliche Neu-Sofalage mit einer gemütlichen Gammelhose abpuffern könnte. Sowas geiles, ausgeleiertes Joggingeskes. Nöhö!
Ich bin ja schlau und vor allem kompromißfreudig, weswegen ich deshalb mir eine gemütliche und zugleich unschlunzige Leinenhose in Kaffeebraun besorgte. Auch weil ich den Tag zumindest optisch mit dem enden lassen wollte, was ich morgens zuerst höre: "Kaffee?!" Nun gut, die Hose sitzt toll und wenn ich sie noch ein bißchen eintrage, dann scheuert das Leinen auch bestimmt nicht mehr so. Daß ich mit dem Teil jetzt allerdings ohne Probleme Kundenrabatt in jedem Reformhaus bekäme, steht auf einem anderen Blatt.
Blätter - ein prima Stichwort! Wußtet ihr, daß der wöchentliche Bedarf an Klopapier von nunmehr 3 Personen ungleich proportional zu seinem tatsächlichen Verwendungszweck ist?
Während ich mir aufgrund meiner frühkindlichen Störungen bezüglich der Verwendung von Klopapier die Nase niemals mit selbigem putzen würde, spült Herr Lesof täglich den Materialverbrauch mehrerer Ikea-Billy-Regale den Lokus herunter. Mir als Zonengabi bereitet dies Nasenschmerzen, habe ich doch meine ersten Erfahrungen mit WC-Paper in Form gepressten Krepppapieres machen müssen. Und außerdem finde ich, daß man Nasenendreinigungsprodukte schon aus umwelttechnischen Gründen wieder verwenden sollte. Was spricht schließlich gegen das 56fache Benutzen von hartgetrockneten Papiertaschentüchern? Aus diesem Grund habe ich auch an jeder Stelle meiner Wohnung mehrere nette Überraschungspakete dieser Art geparkt, um mich zielsicheren Griffes meines Schnodders entledigen zu können, sobald es nötig ist.
Generell bin ich ja ein sparsamer Mensch. Ich und der Standby - das ist nix Gutes. Mit mahnischem Blicke grase ich jeden Abend vor dem Zubettgehen die Wohnung auf der Suche nach Energiefressern ab. Bis neulich konnte ich nach dem Ableisten einer detaillierten Kontrolle sagen: "Jawoll, heute hast du Holland wieder einen Tag mehr vor dem Untergang beschert!" Herr Lesof ist da etwas nachlässiger. Allein innerhalb der letzten Woche wäre Holland aufgrund laufender Modems, Fernseher und PCs mindestens schon dreimal untergegangen, wenn ich nicht eingegriffen hätte!
"Kinderkrankheiten" würde jetzt die Dame vom Anfang sagen und "Wenn die Socke rumliegt, dann räum ich sie halt weg!" Aber "Socken weg räumen" kann manchmal auch ganz schön schwer sein...
Erzangie - 22. Okt, 11:43

Liebste Frau Lesof,
als bisher stille Mitleserin muss ich sagen: ich erkenne mich wieder! Allein, ich hätte es nicht in so schöne Wortgebilde wie Sie gießen können. Mein Ausweg aus dem Dilemma ist ein pragmatischer: um meine Beziehung zu erhalten (und in Ruhe meine geliebten Macken pflegen zu können) hat der Erzengellover eine eigene Wohnung. Ich bin noch nicht so weit gegangen, auch die Engelstöchter aushäusig unterzubringen, was aber daran liegt, dass ein rein weiblicher Haushalt auch funktionieren kann. Wenn der Erzengellover die fernere Zukunft anspricht, erwähne ich Hausdimensionen von etwa 160 qm Wohnfläche und getrennte Schlafzimmer (natürlich, weil ICH schnarche, nicht weil ER irgendwelche absonderliche Schlafgeräusche machen würde) und das Thema hat sich erst einmal wieder erledigt. Von daher kann ich mit Innbrunst "Je táime" schmettern, weil die Idylle nur durch sehr wenig Alltag durchbrochen wird.

Ich befürchte, dass sich das Grundproblem ab einem gewissen Lebensalter eben nicht durch das langjährige "Aushalten" löst, sondern dass die Dame vom Anfang sich etwas schön redet. Auch eine Möglichkeit, mit dem Leben klar zu kommen, aber sicher nicht meine.

Viele liebe Grüße aus "Düsseldoof"
Erzangie

Balu_the_Baer - 24. Okt, 17:16

ach, isser arbeitslos geworden, der ärmste? mein beileid

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