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unser planet ist ein ulkiger ort. einerseits brutstätte lallenden irrsinns, andererseits aber auch immer wieder quell unbeabsichtigter alltagspoesie. es gibt aber auch momente, da haken sich irrsinn und poesie freundschaftlich unter und gehen gemeinsam einen achtgeschossigen frappucino trinken.
mir fiel heute in anbetracht des wetters nämlich auf, daß die in unseren breiten weithin auftretende dauerjahreszeit herbst/winter mittlerweile 70% der gesamtjahreszeitenmasse einnimmt. diese erkenntnis beulte mir für mehrere stunden das gehirn seitlich aus. sehen wir dem übel ins auge: heiter sommerliche auslassungen zum thema dicke frauen in dünnen kleidern, schöne schuhe und fußverpilzte zehen mit leukoplastfarbigen rollnägeln, der musik-und kaffeeindustrie sind fehl am platz. setzen wir also auf gezielte molltöne und verbreiten ordentlich depri-stimmung!
vorbei die zeit, als bereits im vormärz positiv denkende cofe-to-go-dealer hippe plastiksessel in täuschend echt imitiertem rattan auf die straße schoben und man beim vorbeihasten dachte: ab jetzt kanns zumindest theoretisch schon mal ab und an warm werden. kann es nicht! das ist vorbei! für immer! offiziell sommer ist es nämlich mittlerweile erst, wenn man die hagelverwehungen auf den juni/juliesken musikfestivals ohne größeren schaden überlebt hat. zumindest ist die wahrscheinlichkeit eines hagelgewitters im sommer größer, als daß coldplay noch mal eine richtig gute platte machen.
ich finde auch, daß die musikindustrie hierauf unbedingtes augenmerk haben sollte.statt nämlich einen schlechten sommerhit nach dem nächsten rauszubolzen,sollte man endlich den herbst/winterhit als eigenständiges genre begreifen. selbstredend auch hier nach dem baukastenprinzip. während der sommerhit an sich gern in irgendeiner phantasiesprachen gesungen wird, die nach dem genuß von 48 eimern sangria dem idiomischen kauderwelsch eines kalabresischen bergdörfchens zumindest zu ähneln beginnt, plädiere ich für den herbst/winterhit für die wahnsinnig stimmungsaufheiternde klasse der finno-ugarischen sprachen. norwegisch oder isländisch könnte ich mir hier ganz erfreulich vorstellen.
natürlich müßte man auch das bühnenoutfit anpassen: ne schicke thermohose und/oder ein klasse norwegerpullover zum beispiel. zwar liegt so die verkaufsfördernde erotik quasi auf eis, aber ich bin sowieso der meinung, daß mehr auf musikalische virtuosität gesetzt werden muß. statt titten also ausladende fagott-soli, statt hotpants-ärschen runde celli-intros. und das alles intoniert von frauen mit mediterranen altweiberfiguren, schwingenden loden in hennarot und glöckchen an den stiefeln.
lassen wir die musikalisch-melancholische schwere skandinavischen liedgutes das trübe aus dem fenster-gegucke doch einfach geil untermalen! wichtig hierbei ist natürlich auch der text. schluß mit in reime gepreßten sommerlalalaliebschaften, die ihre berechtigung noch nicht mal im nachsommerlichen gang zum gesundheitsamt finden. nein! ich finde, es sollte sich im herbst/winterhit endlich mal mit musikalisch-gesellschaftskritischen randthemen beschäftigt werden: guido westerwelle etwa oder fahrten in öffentlichen nahverkehrsmitteln.
wichtig für die käuferorientierte produktidentifikation ist natürlich auch der name der von der muskiindustrie und dieter bohlen zusammengesetzten herbt/winterhitprojekte. "apokalyptica" etwa legten beispielhaft vor. mich zumindest bringt das zufällige hören der finnischen metallcellisten regelmäßig zu dem, was der herbst/winterhit leisten sollte: an die grenzen des freitodes. ansonsten hätte ich spontan noch folgende niederschmetternde namen im angebot: the norwegersocks, the wollyhuts, the sorrys und the komposts...
is jetzt alles noch nicht so der bringer, aber ich persönlich will ja auch gar nicht in diese branche einsteigen.trotzdem habe ich mir vorsorglich alle diese namen schützen lassen. das schützlassen von bandnamen kann ich mir nämlich durchaus gut als drittes standbein neben meiner karriere als dr.phil in spe und perfekter geliebter vorstellen. völlig jahreszeiten-und genreunabhängig dürfen auch folgende namen nur mit meiner ausdrücklichen erlaubnis verwendet werden:
holz - für eine besonders kopfige hamburger band z.b. oder ein neues projekt von frank spilker
r.nie feat. bird - für ein homosexuelles hip-hop-duo o.ä.
das untenrum-orchester bielefeld - für die swingverliebten, wahlweise auch verliebten swinger
die kai-pflaume-band - für eine extrem noise-core-lastige kombo, deren erstes album "friß schorf, du alte trulla" heißt
ähnlich verhält es sich mit den unzähligen hit-rückblicken quer durch die private fernsehlandschaft.nachdem ich kürzlich mit erschüttern festellen mußte, daß ich schon so alt bin, daß mir zumindest 70 der 100 angepriesenen lieder in "die besten was auch immer"- sendungen auch textlich geläufig sind und mich zudem auch noch in romantisches schwelgen über meine jugend versetzen, habe ich besschlossen, sendungskonzepte zu entwerfen, bei denen auch ich musikalisch noch etwas neues entdecken kann:
- die 318 tollsten one-hit-wonder mit den meisten hits.platz eins: apokalyptica
- die 349 unterschweillig homophilsten karnevalskracher. platz eins:mer losse de dom in kölle
- die 28 tollsten videos,bei denen im hintergrund soziale oder ethnische randgruppen das tun, was man ihnen im allgemeinen unterstellt,wenn man nicht zu diesen ethnischen/sozialen randgruppen zählt. platz eins: pete doherty als pete doherty
- die 45 tollsten hip/hop und rap-videos, bei denen im vordergrund flachbrüstige brünette den plot rulen.platz eins: con-dee! feat. uncle sam
allesamt kommentiert von b-promis, die man gar nicht kennen würde, wenn nicht sybille weischenberger, michael kneisler, gala,bunte und bild irgendwann mal ein wort über brust-pimping, pleiten,pech,pannen im p1 und eheprobleme verloren hätten. man könnte ja zwei fliegen mit einer klappe schlagen: die in zugigen blueboxen runtergerotzten nullkommentare ("konnte man gut tanzen zu", "hat damit ja musikgeschichte geschrieben", "hatte ich meinen ersten kuß zu") könnten die gazettenamputierten allein wegen der treffenden aussagekraft zurück in die schöße der möglichen promi-dinner-kandidaten katapultieren. fernsehen als resozialisierungsinstanz - das wär doch was!
daß einem trotzdem hier die gesammelte generation doof mit schmackes in die gute laune fährt, ist vor diesem hintergrund doch ein ertragbares übel.oder?
DonParrot - 24. Jul, 08:17

Liebe Frau Lesof,

auf dem Weg zur Palmen-Nation müssen wir diese Übergangsjahre halt einfach tapfer ertragen. Aber dafür können wir ja auch anschließend gemeinsam mit Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrronnie Trettmann aus Obergräfenhain 1 ganzjährig intonieren: "Der Sommer ist für Alle da."


Die Rap-Videos mit flachbrüstigen Brünetten sind übrigens eine Idee, die mir ganz besonders gut gefällt. *looooooooooooool*

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